Glasgow – Das Ende März 2006 in Schottland eingeführte Rauchverbot an öffentlichen Orten hat innerhalb weniger Monate zu einem spürbaren Rückgang der Herzinfarkte (akutes Koronarsyndrom, ACS) geführt. Nach einer Publikation im New England Journal of Medicine (NEJM 2008; 359: 482-491) betraf der Rückgang zu zwei Dritteln Passivraucher.
Das Rauchverbot in Schottland ist umfassend. Rauchen ist am Arbeitsplatz, in allen Restaurants, Cafés und Pubs verboten. „Smoker’s Clubs“ erhalten keine Genehmigung. Auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, in allen Bahnhofsräumen und Wartehäuschen ist das Rauchen untersagt. Verstöße werden mit 50 Pfund (etwa 70 Euro) bestraft.
Jill Pell von der Universität Glasgow und Mitarbeiter haben die Auswirkungen des Rauchverbots wissenschaftlich begleitet. Bereits zehn Monate vor Inkrafttreten begannen sie an neun Kliniken (die zwei Drittel aller Herzinfarktpatienten in Schottland versorgen), Fragebögen zur Passivrauchexposition zu verteilen und die Cotininspiegel zu bestimmen. Die Untersuchungen wurden in den ersten zehn Monaten nach Einführung des Rauchverbots fortgesetzt.
Die Ergebnisse dokumentieren, dass die Zahl der Schotten, die wegen eines ACS hospitalisiert wurden, um 17 Prozent sank. Der Rückgang war signifikant größer als in den Jahren zuvor (drei Prozent pro Jahr) und er war ausgeprägter als zur gleichen Zeit in England (4 Prozent), wo es damals kein entsprechendes Rauchverbot gab. Außerdem kann Pell nachweisen, dass nicht etwa die Zahl der Todesfälle außerhalb der Klinik gestiegen ist. Der Rückgang ist deshalb überwiegend eine Folge des Rauchverbots.
Profitiert haben in erster Linie Passivraucher. Laut Pell war der Rückgang zu 67 Prozent auf Exraucher und Nichtraucher beschränkt. Bei diesen Personen waren die Cotininspiegel im Mittel höher als in der Allgemeinbevölkerung, was ein Hinweis darauf ist, dass die Passivrauchexposition ein Mitverursacher der ACS gewesen war. Die Cotininkonzentrationen bei denjenigen Rauchern, die wegen eines ACS hospitalisiert wurden, waren übrigens vor und nach dem Rauchverbot gleich. Auch dies weist auf die kausale Rolle des Rauchens für das ACS hin. © rme/aerzteblatt.de