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Spezialisierte ambulante Palliativversorgung: Vorsichtiger Optimismus

Dtsch Arztebl 2011; 108(30): A-1599 / B-1355 / C-1351

Klinkhammer, Gisela

Die meisten Sterbenden möchten

Gisela Klinkhammer Chefin vom Dienst (Text)
ihre letzten Tage lieber zu Hause als im Krankenhaus verbringen. Das erfordert eine besondere Betreuung durch Ärztinnen und Ärzte, die auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen eingehen müssen. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) soll dies gewährleisten. Obwohl die SAPV in den letzten Jahren gefördert wurde, ist eine flächendeckende Umsetzung nach wie vor nicht erreicht. Aber: In den letzten Monaten sind Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Das geht jedenfalls aus Berichten des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und des Gemeinsamen Bundesausschusses hervor, die jetzt dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt wurden.

Danach hat sich die Zahl der kassenartenübergreifend geschlossenen Verträge im zweiten Halbjahr 2010 von 104 auf 119 erhöht. Bei 60 Verträgen waren die Verhandlungen Ende des Jahres noch nicht abgeschlossen. Der Bericht des Gemeinsamen Bundesausschusses beschreibt auch die Leistungsentwicklung der SAPV für das Jahr 2010. Danach gaben die rückmeldenden Krankenkassen, die circa 87 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten repräsentieren, für das vergangene Jahr 19 479 Leistungsfälle an. Davon wurden 1 433 über Kostenerstattung geregelt. Von April bis Dezember 2009 waren es 2 614 Leistungsfälle, von denen 777 über Kostenerstattung geregelt worden waren. Die Zahlen der Erst- und Folgeverordnungen stiegen ebenfalls deutlich. Vom ersten bis dritten Quartal 2010 betrug die Zahl der Erstverordnungen 13 962, die Zahl der Folgeverordnungen lag bei 8 403. Im Jahr 2010 betrugen die Ausgaben für ärztliche und pflegerische Leistungen der SAPV 45,6 Millionen Euro (2009: 17,3 Millionen Euro).

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Das Bundesgesundheitsministerium bewertet die Entwicklung positiv. Dort heißt es: „Zusammenfassend zeigen sowohl die Erhebungen und Feststellungen des Gemeinsamen Bundesausschusses mit der Zunahme der Leistungsfälle, der Verordnungszahlen und der Ausgaben für SAPV als auch die Erhebungen, die der GKV-Spitzenverband zur Vertragssituation vorgelegt hat, eine deutliche Weiterentwicklung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung in 2010.“

Doch auch wenn diese Verbesserungen zu begrüßen sind, gibt es durchaus berechtigte Kritikpunkte. So weist die Deutsche Hospizstiftung darauf hin, dass 80 000 Menschen einen gesetzlichen Anspruch auf SAPV-Leistungen hätten. Der Versorgungsgrad liege allerdings erst bei 25 Prozent. 60 000 Menschen, die eine umfassende Therapie benötigen, bekommen diese also nicht. Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, bemängelte außerdem gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, dass die Musterverträge in den ländlichen Regionen häufig nicht gut umzusetzen seien. Zudem ist seiner Ansicht nach die Einschätzung von Ärzten und Pflegekräften nicht ausreichend berücksichtigt worden. So wäre das Problem des Mangels an qualifiziertem Personal mit einer flexiblen Interpretation einiger Musterverträge und der Schaffung von Übergangsregelungen zu lösen. Und wenn man bedenkt, dass die Ausgaben für die SAPV im Jahr 2010 gerade einmal 0,01 Prozent der GKV-Ausgaben ausmachen, ist da noch viel Spielraum für die weitere wünschenswerte Entwicklung.

Gisela Klinkhammer
Chefin vom Dienst (Text)

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