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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kolorektales Karzinom: Rascher Beginn der Therapie verlängert Überlebenszeit

Dtsch Arztebl 2011; 108(30): A-1629 / B-1385 / C-1381

Gulden, Josef

Patienten mit kolorektalem Karzinom der Stadien II/III erhalten heute nach einer Operation mit kurativer Intention routinemäßig eine adjuvante Chemotherapie, weil diese nachweislich ihre Überlebenschancen verbessert. Eine Frage, die bislang nicht geklärt war, beantwortet nun eine Metaanalyse kanadischer Onkologen: Spielt es für das Überleben eine Rolle, wie rasch nach der Operation mit der Chemotherapie begonnen wird?

Zehn Studien wurden als relevant für die Analyse bewertet. Darin waren insgesamt 15 410 Patienten eingeschlossen. Die Auswertung ergab, dass die Patienten am längsten überlebten, wenn die adjuvante Chemotherapie vier Wochen nach der Operation begann. Eine Verzögerung um jeweils vier Wochen erhöhte das Risiko sowohl beim Gesamt- als auch beim krankheitsfreien Überleben um 14 % (Hazard Ratio jeweils 1,14 – bei sehr engen 95-%-Konfidenzintervallen: für das Gesamtüberleben 1,10–1,17, für das krankheitsfreie Überleben 1,10–1,18). Die Heterogenität zwischen den Studien war sehr gering, und das Ergebnis blieb deshalb auch noch signifikant, wenn die drei größten Studien mit mehr als zwei Drittel aller Patienten ausgeschlossen wurden. Der Zeitpunkt, ab dem eine adjuvante Chemotherapie nicht mehr sinnvoll erscheint, sollte nach Ansicht der Autoren nicht bei drei, sondern eher bei vier bis fünf Monaten nach der Operation liegen.

Fazit: Je länger bei kolorektalen Karzinomen der Zeitraum zwischen Operation und Beginn einer adjuvanten Therapie ist, desto kürzer sind die Überlebenszeiten, so das Ergebnis dieser Metaanalyse. Es gebe einige kritische Punkte, die die Autoren auch selbst thematisierten, kommentiert Prof. Dr. med. Volker Heinemann (München): Weniger fitte und ältere Patienten beginnen die adjuvante Therapie aufgrund höherer postoperativer Komplikationsraten später und brechen sie vermutlich häufiger vorzeitig ab. Deshalb könne die Mortalität erhöht sein. Heinemann weist außerdem darauf hin, dass nur Studien mit Fluoropyrimidinen als adjuvante Therapie berücksichtigt wurden; aus tumorbiologischen Gründen sei jedoch anzunehmen, dass für die heute übliche FOLFOX-Therapie Ähnliches gilt. Abgesehen von der kontroversen inhaltlichen Diskussion habe die Studie mindestens ein Ziel erreicht: „Sie schärft den Blick der Onkologen für den Stellenwert der termingerechten Durchführung der adjuvanten Therapie – in Hinblick auf die Risikoreduktion des Patienten ebenso wie auf die juristischen Folgerungen, die sich daraus ergeben.“ Josef Gulden

Biagi JJ, et al.: Association between time to initiation of adjuvant chemotherapy and survival in colorectal cancer. A systematic review and meta-analysis. JAMA 2011; 305: 2335–42.


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