BRIEFE
Qualitätssicherung: Bedeutung des Berichteschreibens
PP 10, Ausgabe August 2011, Seite 375


Bei der Diskussion des Gutachterverfahrens wird ein Aspekt nicht genannt und nicht untersucht: die Bedeutung, die der Bericht für das Denken des Therapeuten und auf diesem Weg für seine Arbeit haben kann.
Wenn ich einen Bericht schreibe, dann mache ich mir dabei selbst die Problematik und Psychodynamik eines Patienten klar. Der Bericht bringt mich dazu, länger über den Patienten nachzudenken, etwas nachzulesen und das zusammenzufassen, was ich für wesentlich erachte. So richtet er meine Wahrnehmung und mein Denken aus und ist eine Hilfe, mich zu orientieren, wenn ich in der Behandlung das Gefühl bekomme, den Faden zu verlieren.
Kürzlich machte ich eine interessante Erfahrung. Ich ging mit einer Patientin mehrere Berichte zu einer Langzeittherapie durch. Einer war vom Gutachter zurückgewiesen worden, die anderen nicht. Es war genau derjenige, von dem die Patientin sagte, darin hätte ich sie nicht richtig erfasst. Darauf hatte der Gutachter reagiert. Und mich so gezwungen, über die Patientin und ihre Behandlung neu nachzudenken.
Das Berichtswesen in dieser Weise für sich selbst zu nutzen, ist nach meinen Erfahrungen ein Gewinn für die psychotherapeutische Arbeit.
Prof. Dr. Ulfried Geuter, Psychologischer Psychotherapeut, 14089 Berlin
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.