Der Film über die elektronische Robbe Paro zeigt, wie emotionale Roboter in der Therapie von Demenzkranken eingesetzt werden können.
Paro ist eine weiße, kuschelige Babyrobbe mit großen schwarzen Kulleraugen. Sie reagiert auf Ansprache und Berührung. Sie wird täglich zutraulicher – und manchmal traurig, wenn man sie nicht beachtet. Doch im Gegensatz zu ihrem kanadischen Vorbild hat sie ein antibakterielles Fell, das einen wissenschaftlichen Streicheltest bestanden hat. Paro ist nämlich ein Roboter. Er wurde von einem japanischen Forscher erfunden, um Senioren glücklich zu machen. Mit Erfolg. In Zeiten, in denen auch in Japan immer mehr alte Menschen ins Heim kommen, dient Paro, quasi als Ersatzhaustier, der Entspannung und Anregung zugleich.
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Doch er soll mehr sein als ein bloßes Kuscheltier. Zunehmend wird die elektronische Robbe in Europa auch zur Behandlung von Demenzkranken eingesetzt. In einem Dokumentarfilm zeigt Filmemacherin Annette Wagner, wie im Bremer Pflegeheim „Haus O’Land“ vier Monate lang der Roboter in der Demenztherapie getestet wurde. Wagner belässt es aber nicht nur bei den Szenen aus dem Altenheim, sondern sie ordnet die robotergestützte Therapie auch in den Kontext anderer sensitiver Ansätze in der Demenzbetreuung ein – zum Beispiel die Snoezelentechniken und das Spielen mit echten Hunden.
Der Zuschauer erlebt, wie nach teilweise anfänglichen Bedenken Angehörige und Patienten sich zunehmend mit der Robbe „anfreunden“. „Die Robbe ist ein Hilfsmittel unter mehreren und teilweise sehr wirksam“, sagt Heimleiterin Sabine Greulich. Wagner betont, dass es ihr wichtig sei, über neue Therapiemethoden nachzudenken. Vor allem die konträren Positionen hätten sie interessiert. Es stellten sich Fragen wie: Ist es in Ordnung, demenziell Erkrankten künstliche Emotionen vorzuspielen? Werden Roboter irgendwann auch als Pflegekräfte eingesetzt? „Ich war nicht unbedingt eine Skeptikerin, aber auch keine Befürworterin. Von meinem Vater, einem Lastwagenkonstrukteur, habe ich gelernt: Bevor man etwas ablehnt, sollte man es sich erst einmal ansehen.“ Und gerade das ist auch eine der Stärken des Films: Die intensive Auseinandersetzung mit der emotionalen Robotik in der Altenpflege. Wagner spricht unter anderem mit dem Erfinder der Robbe, Takanori Shibata, mit einem Theologen und einer Neurologin. Ein halbes Jahr drehten Wagner und ihr Team in dem Pflegeheim. „Das war für uns als Drehteam eine absolute Ausnahmesituation“, berichtet die Regisseurin.
In Japan wird der emotionale Roboter „Paro“ bislang vorwiegend zur Unterhaltung und weniger zur Therapie eingesetzt. Fotos: Matthias Kind
Anrührend sind die Szenen, in denen die Demenzkranken sich der Robbe zuwenden. Paro lädt sie zum Streicheln und Sprechen ein. „Es war sehr, sehr ergreifend zu sehen, wie einige unserer Patienten, die sich so gut wie gar nicht mehr artikulierten, auf die Robbe reagierten“, berichtet Greulich. Deutlich wurde aber letztendlich auch, dass ein Kuschelroboter menschliche Zuwendung nicht ersetzen kann.
Der Film erhielt auf dem Filmfest Emden-Norderney eine Nominierung für den AOK-Filmpreis 2011 und wurde dort auch uraufgeführt. Am 16. September um 21.45 Uhr wird der Dokumentarfilm „Roboter zum Kuscheln – Heilsam für Demenzkranke?“ auf Arte ausgestrahlt.
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