BRIEFE
Aggressive Kinder: Systemische Therapie kann helfen
PP 10, Ausgabe September 2011, Seite 414


Sozialverhaltensstörungen von Jugendlichen sind ein gesundheitspolitisch hoch relevantes Problem, dies macht der Artikel deutlich. Bestätigt wird dies unter anderem durch eine Erhebung der AOK Baden-Württemberg (2008) – die mit Abstand größte Diagnosegruppe in Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie waren Sozialverhaltensstörungen. Der Ausbau von ambulanten Behandlungsangeboten wie der im Artikel beschriebenen multisystemischen Therapie könnte Betten für Patienten frei werden lassen, die auf eine stationäre Behandlung angewiesen sind.
Allerdings dürfen nach der geltenden Rechtslage Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten explizit nur Richtlinientherapieverfahren anwenden, für die sie auch durch ihre Approbationsausbildung zugelassen sind. Die Beihilferichtlinien der Länder schließen sogar jedwede Form von Familientherapie aus.
Der Einsatz von empirisch bewährten Ansätzen, wie der multisystemischen Therapie innerhalb des Systems der gesetzlichen Krankenkassen, ist erst nach einer etwaigen sozialrechtlichen Anerkennung der systemischen Therapie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss zulässig. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Gremium zu einer entsprechenden Entscheidung kommen wird.
Dr. Dipl.-Psych. Rüdiger Retzlaff, PP, KJP, Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, 69115 Heidelberg
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