Noch heute leiden Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, an den späten Folgen von Bombenangriffen, Vergewaltigung, Vertreibung, Verlust von Angehörigen, Inhaftierung oder anderen Kriegshandlungen. Bei bis zu zwölf Prozent der über 60-jährigen Deutschen fanden Wissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die Betroffenen haben ein mehrfach erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma und anderen körperlichen Leiden zu erkranken. Zwischen 40 und 50 Prozent der heutigen Älteren berichten über mindestens ein traumatisches Ereignis, vor allem aus Kriegszeiten. Um die Konsequenzen dieser Erfahrungen in der älteren Bevölkerung zu erfassen, erhoben die Wissenschaftler zwischen 2005 und 2008 gemeinsam mit Kollegen aus Greifswald und Zürich die Daten von mehr als 8 000 Menschen zwischen 14 und 93 Jahren. Darin zeigte sich, dass besonders die ältere Bevölkerung psychisch unter den Folgen eines Traumas leidet. Je nach Studie wiesen bis zu vier Prozent der über 60-Jährigen eine PTBS auf. Berücksichtigten die Forscher auch geringer ausgeprägte posttraumatische Symptome, waren bis zu 12,2 Prozent der Älteren betroffen. Hochgerechnet entspricht dies zweieinhalb Millionen Menschen in Deutschland. In der Gruppe der 30- bis 59-Jährigen fanden sich Anteile von maximal 2,7 Prozent mit PTBS beziehungsweise vier Prozent mit Anzeichen der Erkrankung.
Die Erfahrungen im Krieg wirken sich nicht nur auf die psychische Gesundheit aus: Wer ein Trauma erlebt hatte, litt den Untersuchungen zufolge auch häufiger an körperlichen Erkrankungen. Die Traumatisierten waren von sämtlichen erfassten Krankheiten häufiger betroffen als Nichttraumatisierte. Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Bronchitis und Schlaganfälle etwa kamen bei ihnen dreimal häufiger vor.
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„Die Tragweite der Forschungsergebnisse wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die damalige Kriegsgeneration jetzt in die medizinisch und pflegerisch intensive Lebensphase kommt“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Heide Glaesmer, Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Universität Leipzig. Die öffentliche Auseinandersetzung mit den psychosozialen Folgen der Traumatisierungen durch den Zweiten Weltkrieg habe lange Zeit als ein Tabu gegolten. „Jetzt scheint es möglich, sich auch mit den Folgen der Kriegstraumata für die deutsche Bevölkerung zu beschäftigen“, schreibt die Autorin. eb
Glaesmer H, Gunzelmann T, Braehler E, Forstmeier S, Maercker A: Traumatic experiences and post-traumatic stress disorder among elderly Germans: results of a representative population-based survey. International Psychogeriatrics 2010, 22: 661–70. Glaesmer H, Braehler E, Guendel H, Riedel-Heller SG: The Association of Traumatic Experiences and Posttraumatic Stress Disorder With Physical Morbidity in Old Age: A German Population-Based Study. Psychosom Med 2011, 73:401–6. Glaesmer H, Braehler E, Riedel-Heller SG, Freyberger HJ, Kuwert P: The association of traumatic experiences and posttraumatic stress disorder with health care utilization in the elderly – a German population based study. General Hospital Psychiatry 2011, 33: 177–84.
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