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KULTUR

Normandie: Eine Tour d’Horizon

PP 10, Ausgabe September 2011, Seite 427

Buhr, Uta

Honfleur, Mont-Saint-Michel, Deauville – Kultur und Lebensart an der französischen Nordküste

Als die Einwohner der heutigen Normandie im neunten Jahrhundert die Drachenboote der wegen ihrer Raub- und Mordlust gefürchteten Männer aus dem hohen Norden am Horizont entdeckten, brach Panik aus. Keine Kirche, kein Kloster war vor ihren Plünderungen sicher. Doch bereits hundert Jahre später waren die Wikinger an den fruchtbaren Gestaden des Ärmelkanals heimisch geworden. Im Jahr 911 übertrug der Karolingerkönig Karl der Einfältige Rollo, dem Anführer der Nordmänner, die Normandie als Lehen. In diesem Jahr feiert die Normandie ihren 1 100. Geburtstag. Zurzeit entsteht in der Nähe von Caen das Wikingerdorf Ornavik. Das Besondere: Besucher können es zehn Jahre lang mitgestalten. Erst 2021 wird das Museumsdorf offiziell eingeweiht.

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Erinnerungen an Schillers Jungfrau von Orléans werden wach während eines Rundgangs durch den mittelalterlichen Kern von Rouen. Auf dem Place du Vieux Marché loderte 1431 der Scheiterhaufen, auf dem Jeanne d’Arc als Hexe verbrannt wurde. Die ihr geweihte Kirche vor der Hinrichtungsstätte löst immer noch Kontroversen aus.

Foto: picture alliance
Das monumentale graue Ungetüm, das einem Drachenboot nachempfunden wurde, scheint die Zeile alter Fachwerkhäuser direkt gegenüber schier zu erdrücken.

Honfleur ist ein weiterer „strahlender Stein in der Juwelenkette der Normandie“. Das alte Hafenbecken wird von schieferverkleideten Häusern umrahmt. Im Wasser dümpeln Boote und Jollen. Fischer sitzen an der Mole und flicken ihre Netze.

In Granville, dem Badeort an der Westküste der Halbinsel Cotentin, begegnen wir einer Ikone französischer Lebensart. Auf einer Klippe hoch über dem Meer erblickte Christian Dior 1905 das Licht der Welt. Die in eine parkartige Landschaft eingebettete Villa „Les Rhumbs“ wurde in das „Musée et Jardin Christian Dior“ umgewidmet. Hier finden wechselnde Ausstellungen statt, die stets im Zusammenhang mit dem „génie Dior“ stehen.

Die nächste Exkursion beginnt kurz nach Sonnenaufgang. Kleine Wellen schwappen an den Strand und brechen sich an den schroffen Felsen. Die auf einem Hügel gelegene Stadt Avranches öffnet einen grandiosen Blick auf den Mont-Saint-Michel. Die Anlage hat ihren Ursprung in einer Kapelle, die Bischof Aubert im Jahr 708 in Auftrag gab, nachdem ihm der Erzengel Michael erschienen war. Weitere Generationen machten den Mont-Saint-Michel zu einem architektonischen Wunder. Holprige Gassen winden sich hinauf bis zur Spitze des Granitfelsens. Überladene Souvenirläden säumen den Weg zur Abteikirche. Lautlos sind die hier jahrhundertelang ansässigen Benediktiner verschwunden. An ihre Stelle trat die „Fraternité Monastique de Jérusalem“. Gelegentlich sieht man in dunkle Kutten gehüllte Nonnen und Mönche die Stufen hinaufhuschen.

Auf die Klosterinsel folgt Deauville, der Star unter den französischen Badeorten. Silbern zieht sich ein kilometerlanger Sandstrand die Küste entlang. Palmen wiegen sich vor sündhaft teuren Boutiquen, und im „Hotel Normandy“, einer im normannischen Fachwerkstil erbauten Nobelherberge, steigen die Reichen und Schönen ab. Das Kasino ist ein Kosmos für sich. Treppen aus roséfarbenem Marmor führen zu den Spielsälen. Hier wird alles gespielt.

Uta Buhr

www.normandie-tourisme.fr


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