Jede fünfte stationäre Rehabilitation der Rentenversicherung findet mittlerweile aufgrund einer psychischen Indikation statt. Häufige Gründe sind Depressionen und Alkoholabhängigkeit.
Psychische Erkrankungen spielen im Gesundheitswesen eine immer größere Rolle. Die Zahl der Diagnosen steigt, und es gibt mehr Krankschreibungen aufgrund psychischer Störungen. Auch in der medizinischen Rehabilitation ist die Entwicklung spürbar. So finden mittlerweile 20 Prozent der stationären Leistungen zulasten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wegen einer psychischen Indikation statt. 2010 lagen die psychischen Erkrankungen damit auf dem zweiten Platz der Diagnosegruppen und haben die Tumorerkrankungen von dort verdrängt. An erster Stelle steht nach wie vor die Orthopädie (siehe Grafik).
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Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. „Psychische Störungen werden inzwischen besser erkannt als früher“, sagt Dr. med. Christiane Korsukéwitz, Leiterin des Geschäftsbereiches Sozialmedizin und Rehabilitation der DRV Bund. Die Tabuisierung sei rückläufig, verbunden mit einer wachsenden Sensibilisierung für das Thema. Außerdem sei es auch denkbar, dass ein „Diagnosen-Shift“ eine Rolle spielt. Das heißt: Psychische Erkrankungen werden zum Beispiel nicht mehr hinter der Diagnose unspezifischer Rückenschmerz verborgen. „Von einem realen Anstieg gehen wir eher nicht aus“, erläutert Korsukéwitz. Gleichwohl, sagt die Sozialmedizinerin, müsse man zur Kenntnis nehmen, dass sich zum Beispiel die Arbeitswelt verändert habe. „Die psychomentalen Anforderungen haben sich erhöht“, sagt sie. Es sei mehr Effizienz, Flexibilität und Mobilität gefordert. Hinzu kämen Arbeitsplatzunsicherheit und auch Arbeitslosigkeit. Beides seien bedeutsame Stressfaktoren.
Frauen sind depressiv, Männer alkoholabhängig
Bei den Rehabilitationsleistungen aufgrund psychischer Störungen gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen nehmen häufiger eine Behandlung in Anspruch als Männer. Und Frauen werden in erster Linie wegen affektiver Störungen behandelt, vor allem Depressionen. Bei Männern hingegen ist die häufigste Diagnose eine „Psychische und Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen“. Dahinter verbirgt sich meist eine Entwöhnung bei Alkoholabhängigkeit. Der mit Abstand größte Teil der Behandlungen bei den psychischen Indikationen findet stationär statt. Die ambulante Reha spielt kaum eine Rolle – anders als bei orthopädischen Erkrankungen.
Trends der letzten Jahre setzen sich fort
Die Zunahme psychischer Indikationen ist ein Trend der vergangenen Jahre. Daneben haben sich 2010 zwei weitere Entwicklungen fortgesetzt. Zum einen gibt es einen Zuwachs bei den Anschlussrehabilitationen (AHB), die mittlerweile etwa 32 Prozent ausmachen. Zum anderen ist der Anteil ambulanter Rehabilitation weiter gestiegen – auf circa 12 Prozent.
2010 gab die DRV für medizinische Rehabilitation etwa 4,26 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr waren es 4,20 Milliarden. 996 154 Leistungen wurden durchgeführt (2009: 978 335). Die Zahl der Anträge ist im vergangenen Jahr auf 1,67 Millionen gestiegen. Bei den Bewilligungen gab es einen leichten Rückgang auf 1,06 Millionen.
Ein spürbarer Rückgang ist in einem relativ kleinen Bereich zu verzeichnen, der Kinderrehabilitation. Die Anträge sind 2010 um drei Prozent zurückgegangen, die Bewilligungen um zehn Prozent. Derzeit werde analysiert, welche Ursachen das habe, sagt Korsukéwitz. Die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen sei eine wichtige Investition in die Zukunft der Gesellschaft. Man stehe daher auch mit den zuständigen Ministerien und den gesetzlichen Krankenkassen als weiterem Kostenträger in dem Bereich in Kontakt.
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