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SCHLUSSPUNKT

Schach: Gut, dass wir keine Bauern sind

Dtsch Arztebl 2011; 108(39): [80] / [80] / [80]

Pfleger, Helmut

Foto: Dagobert Kohlmeyer

Es ist ein seltsam Ding, mit Schach spielenden Ärzten zum Ärzteturnier in Bad Neuenahr anzureisen. Als wir im „Kannenbäckerland“ (allein für diesen Namen muss man diese Gegend schon mögen) vor Koblenz nicht rechtzeitig abbogen, meint Kurt alias der Radiologe Dr. med. Kurt Baum: „Gut, dass wir keine Bauern sind – die dürfen nicht zurück!“

Dann philosophieren er und Peter alias der Neurologieprofessor Dr. med. Peter Krauseneck, den wir in Schloss Pommersfelden bei Bamberg „aufgelesen“ haben, darüber, dass das Glück im Schach so unbeständig und unvorhersehbar sei. Als ob sie noch nie etwas von der launischen Schachgöttin Caissa gehört hätten, die ihr Herz sogar einmal, für sie selbst unbegreiflich, an den Kriegsgott Mars verlor. Nun ja, vielleicht doch folgerichtig, schließlich ist auch Schach in seinen indischen Ursprüngen mit seinen Kriegselefanten (Türmen), Kavallerie (Springer) und Infanterie (die wie immer ärmsten Schweine, die Bauern) sicher ein Kriegsspiel. Außerdem wusste schon der alte ukrainisch-deutsche Großmeister Efim Bogoljubow: „Schach ist ein merkwürdiges Spiel – manchmal geht’s und manchmal nicht.“

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Die Fahrt geht weiter und an einem Rastplatz (ausnahmsweise zur Nahrungsaufnahme und nicht zu einer schnellen „Blitzpartie“) werden die beiden von einem ZDF-Team (für den „Länderspiegel“) überfallen: „Was halten Sie von der Benzinpreiserhöhung?“ Natürlich schimpfen sie, wie es sich für rechte Autofahrer gehört. Von mir als autolosem notorischen Radfahrer (und ÖDP-Mitglied) will niemand etwas wissen. So geht auch mein gemurmelter Kommentar: „Bravo! Weiter so! Noch höher!“ der Nachwelt verloren.

Gott sei Dank fällt auch für mich ein Erkenntnisgewinn ab. Beide benutzen ein Spracherkennungsdiktiergerät, welches solche Wortungetüme wie „Liquorzirkulationsstörung“ und „Bluthirnschranke“ leicht erkennt, aber das kleine Wörtchen „mit“ unweigerlich in ein „med.“ verwandelt. Das passiert, wenn selbst Diktiergeräte nur noch Medizin im Kopf und für Alltagsdeutsch kein Ohr mehr haben.

Jetzt aber zum Schach. Mit welch herrlicher Opferkombination setzte Dr. Baum, der sich vor dem Ärzteturnier bei der Europäischen Schnellschach-Seniorenmeisterschaft in Form gebracht und diese punktgleich mit dem russischen Großmeister Oleg Tschernikow auf einem Vorderplatz beendet hatte (müssen Radiologen eigentlich nie etwas arbeiten?), als Weißer in einer Blitzpartie den armen Schwarzen in wenigen Zügen matt?

Lösung:

Nach dem Opfer- und Sperrzug 1. Tf6! (es droht 2. Txh6+ gxh6 3. Dxh6 matt) war gegen die Zerschlagung der schwarzen Königsfestung kein Kraut mehr gewachsen. Schwarz versuchte noch 1. . . . Kh7, aber nun schlug der zweite Turm die Bresche: 2. Txg7+! und nach 2. . . . Kxg7 3. Dxh6+ Kg8 4. Dg5+ Kh8 5. Th6 matt war’s vorbei.


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