KUNST UND SEELE
Art Brut: Gisela Mauz – Labyrinthischer Weg
PP 10, Ausgabe Oktober 2011, Seite 438


Dieses durch Farbgebung und Strichführung expressionistisch anmutende Bild von Gisela Mauz weckt Erinnerungen an südliche Länder. Bäume mit niedrigen Stämmen und ausladenden Kronen säumen beide Seiten eines Weges. Wohin er führt, bleibt unklar. Durch die Zweige ist ein glühender Himmel zu ahnen. Die Farbgebung mit ihren braunen, orangenen und rosa Tönen lässt zunächst einen warmen und freundlichen Eindruck entstehen. Sieht man genauer hin, so erscheinen die Bäume, die auf diesem Bild eindeutig die Hauptrolle spielen, längst nicht mehr so freundlich. Gisela Mauz hat ihre Zweige knorrig-gewunden und dunkel dargestellt. Nur ganz sparsam hat sie grüne Farbflächen dazwischen gesetzt.

Bäume mit niedrigen Stämmen und ausladenden Kronen säumen beide Seiten eines Weges. Durch die Zweige ist ein glühender Himmel zu ahnen. Foto: Eberhard Hahne
Auf diese Weise entsteht bei dem zunächst einladenden Motiv ein labyrinthischer Eindruck. Auch wenn es einen Weg gibt, so könnte man sich zwischen diesen Bäumen verirren und das Ziel aus den Augen verlieren. Wege sind in der darstellenden Kunst ein häufiges Motiv. Sie beschreiben eine Bewegung auf ein Ziel hin, mitunter sind sie wohl auch eine Metapher für den Lebensweg einer Person.
Gisela Mauz hält sich gerne in der Natur auf. Auf ihren ausgedehnten Spaziergängen sammelt sie Eindrücke, die sie später in ihren Werken verwendet. Landschaften und Pflanzenmotive gehören zu ihren bevorzugten Motiven. Sie arbeitet vorwiegend mit farbigen Kreiden, die sie in einer ausdrucksstarken Strichführung auf das Papier aufträgt. In ihren Arbeiten gelingt es ihr, aus einer spannungsgeladenen Mischung der expressiven Darstellung und dem ruhigen, klassischen Motiv ein Gleichgewicht zu erzeugen.
Gisela Mauz wurde 1939 in Königsberg geboren. Als Tochter einer bürgerlichen Familie studierte sie Germanistik, Romanistik sowie Kunstgeschichte und gründete eine Familie. Eine psychische Erkrankung führte zu schweren Krisen und mehrfachen stationären Behandlungen. Schließlich war sie aufgrund ihrer Erkrankung gezwungen, ihrem Leben eine andere Richtung zu geben und zog 2007 in eine Wohngemeinschaft des Wohnbereichs Haus Kannen. Hier fand sie wieder zurück zu ihrem Interesse an der Kunst und begann auch selbst zu malen. Dabei führt sie bekannte künstlerische Motive und Techniken mit ihren Eindrücken aus der Natur zusammen. Ihre Arbeit im Atelier des Kunsthauses Kannen ist nun aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Seit 2008 ist sie mit ihren Bildern regelmäßig in der Jahresausstellung des Kunsthauses Kannen vertreten.
Dr. Margit Lübking, Psychologin im Alexianer-Krankenhaus Münster
Biografie Gisela Mauz
Gisela Mauz wurde 1939 in Königsberg geboren. Sie lebt seit 2007 aufgrund einer psychischen Erkrankung in einer Wohngemeinschaft der Alexianer in Münster.
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