Supplement: Praxis Computer
Finanzprogramme für das Praxismanagement: Liquiditäts-Analyse
Dtsch Arztebl 1998; 95(19): [24]


Die Fähigkeit, fälligen
Verbindlichkeiten nachzukommen, ohne die Betriebssubstanz zu
belasten, wird als Liquidität
bezeichnet. Entscheidend ist
dabei die Berücksichtigung zu
erwartender Steuervorauszahlungen und privater
Aufwendungen. Inzwischen gibt es einige Softwarelösungen, die Hilfe beim Finanzmanagement bieten.
Nachfolgend werden zwei Windows-Programme vorgestellt, die als "persönliche Finanzmanager" - mit
unterschiedlichen Schwerpunkten - speziell für Ärzte entwickelt wurden.
PraxisInvest
Zur Überprüfung von Liquidität und Investitionskosten sowie Analyse des Mindestumsatzes eignet sich
PraxisInvest. Das Programm ermöglicht eine Kostensimulation, die sowohl vor der Niederlassung als auch
routinemäßig durchgeführt werden kann.
Nach dem Start kann sich der Anwender zunächst mit der Funktion von Schaltflächen und Dateneingaben
vertraut machen, bevor er mit der eigentlichen Kostensimulation beginnt. Im Hauptmenü erscheinen dann die
Schaltflächen für Grunddaten, Einnahmen, Praxisausgaben und Privatausgaben. Unter Grunddaten müssen unter
anderem Fachgebiet und Bundesland eingegeben werden, weil davon die Vorschläge für Investitionskosten und
die Tariftabellen abhängen. Fallwerte, Fallzahlen, weitere Praxiseinnahmen, Steuererstattungen und
Privateinnahmen werden unter Einnahmen erfaßt. Praxisausgaben umfassen Posten wie Personal,
Finanzierungen, Praxisräume und Investitionen. Abschließend werden die individuellen Privatausgaben erfaßt.
Das Programm ordnet alle Daten in übersichtliche Formulare, die jederzeit eingeblendet werden können.
Sämtliche Formulare sind weitgehend identisch aufgebaut, so daß sich eine leichte Benutzerführung ergibt.
Zusätzlich erläutert noch ein Infofeld den jeweiligen Bearbeitungspunkt.
Nach der Datenerfassung kann die Schaltfläche Auswertung aktiviert werden. Hier wird zunächst der
Mindestumsatz berechnet, der erforderlich ist, um alle Gesamtkosten zu decken. Bei der Liquiditäts-Analyse
wird das zu versteuernde Einkommen berechnet und mit einbezogen. Wenn aufgrund dieser Analyse Kosten
eingespart werden müssen, helfen Ausgaben-Vergleiche weiter, denen Daten des Statistischen Bundesamtes
zugrunde liegen.
Mit PraxisInvest können die Posten von 15 Jahren erfaßt werden, so daß auch eine langfristige Auswertung
möglich ist. Das Programm zeichnet sich durch eine leichte Bedienungsführung aus. Wer die wichtigsten Daten
parat hat, kommt bereits nach wenigen Minuten zu ersten Ergebnissen. Für genauere Analysen sollte man sich
jedoch zwei bis drei Stunden Zeit nehmen.
Advisus
Das Programm Advisus ist ein Finanzmanagement-System für Ärzte, die ihren Gewinn durch eine EinnahmenÜberschuß-Rechnung ermitteln. Dabei werden Daten ausgewertet, die beim Steuerberater ohnehin anfallen. Die
Ergebnisse beinhalten eine Verknüpfung aller Daten miteinander und werden in Form leicht verständlicher
Diagramme dargestellt.
Eine exakte Analyse ist nur möglich, wenn alle Konten durch Zuordnung definiert und entsprechende
Bewertungskriterien vorhanden sind. Die Kontenzuordnung muß zusammen mit dem Steuerberater
vorgenommen werden, wohingegen die Bewertungskriterien ein Programmbestandteil sind. Bei Änderungen,
etwa von Finanzgesetzen, muß Advisus entsprechend angepaßt werden. Anhand der Auswertungen können der
jeweilige Stand der Finanzen und die Trends mit einem Blick erfaßt werden.
In Tabellen und/oder Grafiken wertet Advisus folgende Posten aus: n Betriebsvergleich (Abweichungen
innerhalb der Branche nach Eingabe entsprechender statistischer Daten, etwa von der DATEV), n Gewinnverlauf
(Gegenüberstellung der Monatsgewinne zweier Vergleichsjahre), n Kostenanalyse, n Umsatzverlauf,
n Abschreibungsquote, n Investitionen (Anlagenzugänge in Relation zum Umsatz),
n AfA-Investitionsraten-Vergleich, n Kontoentwicklung, n Vermögensstatus.
Die Einkommensteuer-Berechnung stellt einen zentralen Punkt für den finanziellen Überblick dar. Mit Advisus
kann jeden Monat eine Hochrechnung erstellt werden, um die zu erwartende Einkommensteuer-Nachzahlung
und Vorauszahlung mit einzubeziehen. Die Liquiditätsberechnung teilt sich in betriebliche und private Zu- und
Abflüsse. Mit einer Detail-Ansicht ist durch die Überprüfung der Einzelbeträge eine gute Hilfe für mögliche
Einsparungen gegeben.
Die Benutzerführung des Analyseprogramms wurde gut gestaltet, so daß trotz komplexer
Auswertungsmöglichkeiten kaum steuerliche Vorkenntnisse notwendig sind.
Falls doch einmal Hilfe benötigt wird, geben die Online-Direkthilfe, ein Handbuch und die Hotline des
Herstellers Auskunft. Neben dem Finanz-Managementsystem ist ein zweites Modul "Betriebs-Management" -
unter anderem mit Adreß-, Termin und Dokumentenverwaltung - erhältlich.
Peter Nietsch
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