Wer die Konstruktion von Modellen ohne tiefgreifende Programmiererfahrung in Angriff nehmen will,
sollte sich einmal den ModelMaker anschauen. Mit dieser Software für Windows-PC wird die numerische
Simulation fast zum Kinderspiel. Das Konzept des ModelMakers basiert auf Diagrammen, die die richtige
Verknüpfung von mathematischen Gleichungen ermöglichen. Auf dem Bildschirm sorgt das komplette
Modelldiagramm dafür, daß der Nutzer nicht den Überblick verliert.
Ob in der Physiologie, Pharmakokinetik oder Epidemiologie - um quantitative Aussagen über ein komplexes
System oder einen dynamischen Vorgang machen zu können, ist die Arbeit mit Modellen meist unumgänglich.
Bei der oftmals schwierigen und zeitraubenden Aufgabe, die mathematischen Beziehungen für den Modellauf zu
programmieren, verspricht das Simulationsprogramm Hilfe.
Seit 1991 ist das Programm auf dem Markt. Cherwell Scientific hat jetzt die Version 3.0.3 für Windows 95 und
NT herausgebracht. ModelMaker unterstützt kontinuierliche, diskontinuierliche, stochastische oder
ereignisgesteuerte Systeme mit Differential- oder nicht-differentiellen Gleichungen. Das an der Universität
Nottingham ursprünglich für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Physiologie und der Umweltwissenschaften
entwickelte Programm hat mittlerweile in verschiedene Disziplinen Einzug gehalten. Es ist insbesondere für
Wissenschaftler geeignet, die sich mit der Modellierung von komplexen Systemen beschäftigen.
Das Einarbeiten in den ModelMaker kann fast intuitiv erfolgen. Selbst wenn man statt analytischen Vorgehens
lieber nach dem Motto "trial and error" verfährt, dauert es nur wenige Tage, bis man Simulationsmodelle
programmieren kann. Unterstützung bietet die integrierte Online-Hilfe, die auch Beispiele für Modelle bereithält.
Nachdem die verschiedenen mathematischen Gleichungen, die die Prozesse im realen System repräsentieren
sollen - etwa Reaktionsgeschwindigkeiten oder Poolgrößen - eingegeben sind, lassen sie sich Schritt für Schritt
in Beziehung setzen. Für die graphische Umsetzung hält das Pull-down-Menü eine Reihe von Werkzeugen
bereit, die die einzelnen Komponenten per "drag and drop" auf den Bildschirm bringen. Unterschiedliche
Piktogramme markieren die verschiedenen Funktionen, Variablen, Parameter für konstante Werte oder Flüsse.
Farbcodes zeigen an, ob dabei irgendwo ein Fehler unterlaufen ist.
Die Gleichungen des Modells sind jederzeit zugänglich. Ein Durchsuchen von Quellcodes, um Abhängigkeiten
zu ermitteln, wird dadurch überflüssig. Externe Programme oder Untermodelle können zusätzlich in das Modell
eingebunden werden. Sobald das Modell erstellt ist, kann der Start durch Mausklick erfolgen. Die Werte jeder
Komponente werden während des Programmlaufs für eine nachfolgende Analyse gespeichert. An der
Umsetzung des Modellaufs wird deutlich, ob die Programmierung sinnvoll war. Das Programm liefert Statistiken
zur Anpassungsgüte, die zeigen, wie weit das Modell den experimentellen Daten entspricht. Mit
Optimierungsverfahren können für einzelne Parameter die Modelldaten an die experimentellen Daten angepaßt
werden. Vertrauensintervall, Empfindlichkeitsanalysen, Minimierung und mehrfache Berechnungen stehen als
weitere Analyseverfahren zur Verfügung.
Alle berechneten Modellwerte lassen sich als Tabelle oder Graphik darstellen. Daten aus anderen Dateien und
Tabellen können übernommen werden. Das Programm entpuppt sich als vielseitiges Hilfsmittel bei der Analyse
quantitativer Zusammenhänge. Lisa Kempe
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