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SPEKTRUM: Akut

Orthopädische Diagnostik: Knieschmerzen bei Kindern

Dtsch Arztebl 1996; 93(3): A-64 / B-52 / C-52

Moosmann, B.

Klagen über anhaltende Knieschmerzen sind die häufigsten Ursachen dafür, daß Kinder in der orthopädischen Praxis vorgestellt werden. In den meisten Fällen haben die Schmerzen einen triftigen Grund; sie ohne genauere Untersuchung als Wachstumsschmerzen abzutun ist nicht gerechtfertigt. Auch daß die Kinder trotz der Schmerzen bewegungsaktiv sind, sollte nicht von einer eingehenden Untersuchung abhalten. Denn der natürliche Bewegungsdrang der Kinder läßt diese in der Regel erst bei schweren Läsionen und stärkeren Schmerzen die Aktivität einschränken. Nach Erfahrung von Dr. Helga Neubert (Eisenberg) verbergen sich hinter kindlichen Knieschmerzen nicht selten auch rheumatische Erkrankungen, vor allem reaktive Arthritiden. Am häufigsten sind allerdings Traumen oder Meniskusschädigungen die Ursache, so Neubert beim 3. Internationalen Symposium über Kinderorthopädie an der Freiburger Universitätsklinik.


Streng abgegrenzt werden muß der Knieschmerz von einem eventuellen Knochenschmerz. Diagnostisch zwingend sind, außer der intensiven klinischen Untersuchung, Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen. Dabei sollten auch der gesamte Femur sowie das Hüftgelenk dargestellt werden, um eventuell nicht korrigierte Fehlstellungen, einen Morbus Perthes oder auch Tumoren als Ursache der Schmerzen auszuschließen. Bringen klinische und röntgenologische Untersuchung keinen Befund, ist das Vorliegen einer rheumatischen Erkrankung abzuklären. Hier ist an eine Familienanamnese nicht nur hinsichtlich rheumatischer Störungen, sondern auch mit Blick auf Allergien zu denken. Hinweise können Gewichtsverlust, Schluckstörungen, Hautveränderungen und ein Reizzustand der Augen sein, erläuterte Dr. Andreas Reif (Freiburg).


Eine Bestimmung des Rheumafaktors ist allerdings in diesen Fällen wenig sinnvoll, so Dr. Uta Vogel (Berlin), da dieser Laborparameter bei Kindern ohnehin fast immer negativ ist. Erfolgversprechender ist die Suche nach Erregern, die als Auslöser einer reaktiven Arthritis in Frage kommen. Schon in der Anamnese sollte deshalb nach eventuell vorausgegangenen Infektionskrankheiten oder Zeckenbissen gefragt werden. Fieber, bestehende HNO-Infektionen, Vaskulitiden, Exantheme der Haut sowie eine Hepatosplenomegalie sollten ebenfalls zu serologischen Untersuchungen Anlaß geben. Als Auslöser reaktiver Kniegelenksarthritiden kommen laut Frau Dr. Vogel unter anderem Streptokokken, Salmonellen, Borellien, Brucellen, Yersinien, Röteln-, Mumps- und Hepatitiserreger sowie Epstein-Barr-, Cytomegalie- und Parvoviren in Frage. Elisabeth B. Moosmann

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