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AKTUELL: Akut

Staphylokokkeninfektion: Immunzellen werden unempfindlich

Dtsch Arztebl 2011; 108(43): A-2254 / B-1902 / C-1882

Kespohl, Meike

Einige Bakterien wie Staphylococcus aureus können schwerwiegende chronische Erkrankungen hervorrufen. Forscher des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) zeigten nun, dass nicht nur die Schutzmechanismen der Bakterien für die Persistenz einer solchen Infektion verantwortlich sind: T-Zellen, die normalerweise eine wichtige Rolle in der Kontrolle einer Infektion mit S. aureus spielen, scheinen eine Unempfindlichkeit gegenüber den Erregern zu entwickeln, so dass ein chronischer Krankheitsverlauf wahrscheinlicher wird (EMBO Mol Med. 2011 Sep 2. doi: 10.1002/emmm.201100173).

Im Mausmodell konnten die Forscher zeigen, dass die Immunantwort in der akuten Phase der Infektion noch normal verläuft: T-Zellen erkennen bakterielle Antigene über ihren T-Zell-Rezeptor. Diese Signale werden über eine intrazelluläre Kaskade, an der auch die Proteinkinase C beteiligt ist, weitergeleitet und führen zu einer Aktivierung der Immunzellen. Nach zwei bis drei Wochen jedoch schwächt die Immunantwort ab, obwohl die Staphylokokkeninfektion noch nicht vollständig beseitigt ist. Die T-Zellen verlieren die Fähigkeit, auf die bakteriellen Antigene zu reagieren, und geraten in einen Zustand der Unempfindlichkeit, der auch als Anergie bezeichnet wird.

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Normalerweise stellt die Anergie einen Schutzmechanismus des Immunsystems dar, der Autoimmunreaktionen der T-Zellen verhindern soll. Dass T-Zellen auf eine Virusinfektion mit Anergie reagieren, ist zwar bekannt, bei bakteriellen Infektionen ist dies jedoch eher ungewöhnlich und begünstigt den chronischen Verlauf bei einer Infektion mit Staphylococcus aureus.

Molekularbiologische Untersuchungen zeigten, dass die Kostimulation der T-Zellen mit dem Phorbolester PMA die Anergie aufheben kann. Da PMA ein Aktivator der Proteinkinase C ist, wird vermutet, dass ein Defekt in der intrazellulären Signalweiterleitung am T-Zellrezeptor vorliegt. Möglicherweise führt die ständige Konfrontation der T-Zellen mit den Bakterien während der chronischen Infektion dazu, dass es zu einer Art Kurzschluss innerhalb der Zelle kommt.

„Wir müssen nun verstehen, wie wir das Ausschalten der T-Zellen verhindern können, so dass sie bei der Staphylokokkeninfektion voll einsatzfähig sind“, erklärt Eva Medina vom HZI. Ziel soll es sein, einen neuen Ansatz für die Behandlung von Patienten mit chronischer Staphylokokkeninfektion zu entwickeln.

Meike Kespohl


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