AKTUELL
Psychische Erkrankungen: Hauptgrund für unfreiwilligen Vorruhestand
PP 10, Ausgabe November 2011, Seite 489


Immer mehr Menschen gehen wegen psychischer Erkrankungen früher in Rente: Im vergangenen Jahr hörten bundesweit fast 71 000 Arbeitnehmer vor Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren auf, während im Jahr 2009 erst knapp 64 500 Männer und Frauen aus diesem Grund erstmals eine Erwerbsminderungsrente bekamen. Das gab die Deutsche Rentenversicherung bekannt. Depressionen und Angststörungen sind danach mittlerweile der Hauptgrund für einen unfreiwilligen Vorruhestand. Diese verursachten im Jahr 2010 knapp 40 Prozent der etwa 180 000 Fälle von verminderter Erwerbsfähigkeit.
Erst danach folgen Schwierigkeiten mit Skelett und Muskeln sowie Herz- und Kreislauf-Erkrankungen. Zudem sind die Menschen dabei immer jünger: Im Jahr 1980 waren alle erwerbs- und berufsunfähigen Neurentner im Durchschnitt 56 Jahre alt, während sie heute erst etwas über 50 sind. Bei psychischen Störungen liegt der Durchschnitt sogar bei 48,3 Jahren.
„Das ist einer der größten Anstiege seit zwei Jahrzehnten“, erläutert Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. Eine rechtzeitige Behandlung könne erheblich dazu beitragen, dass psychische Erkrankungen nicht chronifizieren und zu dauerhafter Erwerbsunfähigkeit führen. pb
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