«1234567»Seite
63 Artikel im Heft, Seite 1 von 63

SEITE EINS

Organspende – Einigung auf Entscheidungs­lösung: Tragfähiger Kompromiss

Dtsch Arztebl 2011; 108(48): A-2573 / B-2153 / C-2125

Klinkhammer, Gisela

Tausende schwerstkranke Patienten warten in Deutschland Jahr für Jahr auf ein Spenderorgan. Daran hat sich auch seit Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes im Jahr 1997 nicht viel geändert. Nach wie vor ist keine wesentliche Steigerung der Zahl der Organspenden zu verzeichnen. Das könnte sich in Zukunft ändern. In seltener Einmütigkeit haben sich nämlich am 24. November die Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Linken gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf einen gemeinsamen Gruppenantrag geeinigt, „mit dem Ziel, die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen“. Dazu soll „die Bereitschaft der Bürger und Bürgerinnen regelmäßig, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte, und mit einer höheren Verbindlichkeit abgefragt werden, mit soviel Nachdruck wie möglich, ohne jedoch eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der fünf Fraktionen. Durch das neue Vorgehen soll „die Information über das und die Konfrontation mit dem Thema regelmäßiger und strukturierter als bisher erfolgen“.

Dass die Fraktionen bei diesem wichtigen Thema an einem Strang ziehen, ist gut. Monatelang hatten sie darum gerungen, doch jetzt haben sie einen tragfähigen Kompromiss gefunden, der auch auf Zustimmung in der Ärzteschaft stoßen wird. Der diesjährige 114. Deutsche Ärztetag in Kiel hatte sich für ein „Modell einer Selbstbestimmungslösung mit Informations- und Erklärungspflicht“ ausgesprochen. „Wir haben aber zu akzeptieren, dass ein Mensch keine Entscheidung über die Organspende treffen möchte. Insofern unterstützen wir die Entscheidungslösung“, sagte kürzlich der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“. Bisher gilt in Deutschland die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Zwar sind fast 70 Prozent der Menschen laut Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden, aber nur 25 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentiert. Das stellt nach der zurzeit geltenden Regelung die Angehörigen im Ernstfall vor das Problem, den Willen ihres gerade gestorbenen Familienmitglieds im Krankenhaus zu erklären, sofern er ihnen bekannt ist, oder nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu entscheiden. Die Widerspruchslösung, wonach nur dann auf die Entnahme von Organen verzichtet werden soll, wenn der Verstorbene vor seinem Tod eine Spende abgelehnt hatte, schränkt das Recht auf eine freiwillige, informierte Entscheidung ein. Die jetzt favorisierte Entscheidungslösung könnte wohl durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema Organspende am ehesten zu einem Zuwachs an Organen führen. Notwendig sind aber noch weitere Maßnahmen. So hatte sich zum Beispiel der Deutsche Ärztetag zusätzlich für eine gesetzliche Einführung von Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern ausgesprochen.

Anzeige

Wie SPD-Fraktionschef Frank-Walte

Gisela Klinkhammer
Chefin vom Dienst (Text)
r Steinmeier erklärte, sind nur noch Detailfragen offen. Bahr betonte: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir werden die Spendebereitschaft erhöhen können.“ Das Thema sei wichtig und sensibel. „Wir wollen jetzt gemeinsam die konkreten Formulierungen festlegen und diese rasch ins parlamentarische Verfahren einbringen“, sagte der Gesundheitsminister.

Gisela Klinkhammer
Chefin vom Dienst (Text)


Drucken Versenden Teilen Leserbrief Zusatzinfo
«1234567»Seite
63 Artikel im Heft, Seite 1 von 63

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTM PDF 
10 / 2014 1 0
9 / 2014 1 2
8 / 2014 0 1
7 / 2014 0 1
6 / 2014 7 0
5 / 2014 5 3
2014 27 14
2013 88 12
2012 541 101
2011 321 61
Total 977 188

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in