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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Adjuvante Therapie des Mammakarzinoms: Trastuzumab ist ohne Anthrazyklin am vorteilhaftesten

Dtsch Arztebl 2011; 108(48): A-2607 / B-2178 / C-2150

Gulden, Josef

Trastuzumab kann bei Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom in einem frühen Stadium in adjuvanter Anwendung zusätzlich zur Chemotherapie krankheitsfreies und Gesamtüberleben verlängern. Der Effekt hält längerfristig an, haben drei Phase-III-Studien ergeben.

Zwei Studien der North Central Cancer Treatment Group und des National Surgical Adjuvant Breast and Bowel Project waren im Design so ähnlich, dass sie mit einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 4 Jahren gemeinsam ausgewertet werden konnten (1): Etwas mehr als 4 000 Patientinnen hatten in zwei Armen jeweils eine Chemotherapie, bestehend aus Doxorubicin/Cyclophosphamid (AC), gefolgt von Paclitaxel (AC-P) mit oder ohne anschließende Gabe von Trastuzumab erhalten. Auch nach median 4 Jahren bleibt ein hochsignifikanter Unterschied zugunsten der Antikörpertherapie: beim krankheitsfreien (85,7 % vs. 73,7 %, Hazard Ratio [HR] 0,52; p < 0,001), und beim Gesamtüberleben (93 % vs. 85,6 %, HR 0,61; p < 0,001). Das Mortalitätsrisiko ist um 39 % reduziert.

Außerdem hat die Breast Cancer International Research Group 5-Jahres-Daten publiziert (2). 3 222 Frauen waren ebenfalls mit AC und dem Taxan Docetaxel (AC-T) mit oder ohne anschließendes Trastuzumab mehr als ein Jahr behandelt worden. In einem dritten Arm war wegen der kardialen Problematik im Zusammenhang mit Trastuzumab auf das Anthrazyklin verzichtet worden; die Therapie bestand aus Docetaxel, Carboplatin und Trastuzumab (TCH). Auch hier waren die beiden Trastuzumab-Arme dem ohne den Antikörper beim krankheitsfreien und Gesamtüberleben signifikant überlegen. Die Anthrazyklin-freie Therapie war allerdings besser verträglich: Hier traten hochsignifikant seltener Herzinsuffizienz und kardiale Dysfunktionen (p < 0,001) und eine akute Leukämie auf; in den Anthrazyklin-Armen waren es 7.

Fazit: Die Zugabe von Trastuzumab zur adjuvanten Chemotherapie des frühen HER-2-positiven Mammakarzinoms verlängert das krankheitsfreie und Gesamtüberleben signifikant. Die 4-Jahres-Nachbeobachtungen bestätigten damit die ursprünglichen Daten, so Prof. Dr. med. Marion Kiechle, München. Die Wirksamkeit von Trastuzumab sei von der Art der Chemotherapie unabhängig, habe aber in der Anthrazyklin-freien Kombination ein deutlich günstigeres Nutzen-Risiko-Verhältnis. In Deutschland werde AC-T plus Trastuzumab häufiger angewendet – wohl infolge der längeren Erfahrung, aber auch, weil man aufgrund der sequenziellen Gabe des Antikörpers mit der Chemotherapie bereits beginnen kann, bevor das Ergebnis eines eventuell notwendigen FISH-Tests auf HER2 vorliegt. TCH sei aber zweifelsohne eine gute Option für Patientinnen mit kardialen Problemen, so Prof. Kiechle. Josef Gulden

  1. Perez EA, et al.: Four-year follow-up of trastuzumab plus adjuvant chemotherapy for operable human epidermal growth factor receptor 2–positive breast cancer: Joint analysis of data from NCCTG N9831 and NSABP B-31. J Clin Oncol 2011; 29: 3366–73.
  2. Slamon D, et al.: Adjuvant trastuzumab in HER2-positive breast cancer. NEJM 2011; 365: 1273–83.

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