MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Grippeimpfung bei Kindern: Adjuvantierte Vakzine ist hochwirksam und sicher
Dtsch Arztebl 2011; 108(48): A-2607 / B-2178 / C-2150


Inaktivierte Grippeimpfstoffe sind bei kleinen Kindern weniger gut wirksam. Nur bei knapp 60 % der Kinder über 2 Jahre wird ein ausreichender Impfschutz erreicht. Das Adjuvans MF59, eine Öl-in-Wasser-Emulsion, wird seit 1997 in Grippeimpfstoffen für ältere Menschen verwendet und ist hierfür in 27 Ländern zugelassen. Nun wurde die Wirksamkeit von trivalentem inaktiviertem Grippeimpfstoff ohne und mit MF59 bei mehr als 4 700 gesunden Kindern im Vergleich zu einer Kontrollimpfung untersucht. Die von Novartis finanzierte Phase-III-Studie wurde während der Influenzasaison 2007/2008 in Deutschland und 2008/2009 in Deutschland und Finnland durchgeführt. Die mehr als 4 700 teilnehmenden Kinder wurden nach dem Alter stratifiziert (6 bis < 36 Monate und 36 bis < 72 Monate) und randomisiert in 3 Gruppen behandelt. Im Jahr 1 erhielten sie trivalenten Grippeimpfstoff mit MF59 (ATIV, Fluad), Subunit-Grippeimpfstoff ohne MF59 (TIV, Agrippal S1) oder Kontrollimpfstoff (Meningokokken-Konjugat-Vazine – Menjugate) im Verhältnis 2 : 2 : 1. Im Jahr 2 wurden sie mit ATIV, Spalt-Impfstoff (TIV, Influsplit SSW) oder Kontrollimpfstoff im Verhältnis 2 : 2 : 1 geimpft. Die Impfungen wurden zweimal mit einem Abstand von 28 Tagen verabreicht.
Hauptziel der Studie war der Nachweis, dass ATIV bei Kindern zwischen 6 und 36 Monaten eine vergleichbare Reaktion wie TIV hervorruft und stärker protektiv als die Kontrolle wirkt. Erkrankte ein Kind während der Influenzasaison, wurde mit Hilfe der PCR untersucht, ob eine Influenza vorlag.
Die Influenzahäufigkeit lag insgesamt bei 0,7 % mit der ATIV, 2,8 % mit der TIV und 4,7 % mit dem Kontrollimpfstoff. Die absolute Wirksamkeitsrate gegen alle Influenzastämme lag für die ATIV bei 86 %, für die TIV bei 43 %. Die relative Wirksamkeitsrate von ATIV zu TIV betrug 75 %. Bei Kindern zwischen 6 und 36 Monaten lag die Wirksamkeitsrate mit ATIV bei 79 %, mit TIV bei 40 %, bei Kindern zwischen 36 und 72 Monaten bei 92 % bzw. 45 %. Die Antikörperantwort war bei der Impfung mit ATIV stärker als bei der Impfung mit TIV und war bis Tag 181 erhöht.
Systemische und lokale Reaktionen waren bei den jüngeren Kindern in allen Gruppen vergleichbar häufig, während systemische Reaktionen bei älteren Kindern mit ATIV häufiger als mit TIV oder der Kontrollvakzine auftraten.
Fazit: Der mit MF59 adjuvantierte Influenzaimpfstoff ist wirksamer als der nicht adjuvantierte, und er ist für Kinder sicher. Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Dieter Adam, München, hält die Ergebnisse dieser Studie für bemerkenswert in zweierlei Hinsicht: Die Influenzahäufigkeit war in der ATIV-Gruppe mit 0,7 % vierfach niedriger als in der Vergleichsgruppe ohne MF59-Zusatz. Und die Verträglichkeit war, vor allem bei den jüngeren Kindern, nicht schlechter als in der Gruppe ohne MF59-Adjuvans. „Kinder zwischen 6 Monaten bis 6 Jahren sollten bevorzugt mit einem Adjuvans-Impfstoff gegen Grippe geimpft werden”, meint Adam.
Dr. rer. nat. Susanne Heinzl
Vesikari T, et al.: Oil-in-water emulsion adjuvant with influenza vaccine in young children. NEJM 2011; 365: 1406–16.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.