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POLITIK

Brustkrebszentren: 250 kämpfen um Versorgungsqualität

Dtsch Arztebl 2011; 108(49): A-2650 / B-2212 / C-2184

Richter-Kuhlmann, Eva A.

Gut, besser, am besten – der Benchmarking-Bericht 2011 zeigt Unterschiede auf.

Diagnose Brustkrebs – Karin Meißler weiß, was das für viele Frauen bedeutet. Bei der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. wurde vor etwa sechs Jahren ein Mammakarzinom diagnostiziert. Seitdem hat sich bei der Versorgung von Brustkrebspatientinnen einiges getan: „Ich bin überzeugt, dass die Etablierung und Zertifizierung von Brustzentren viel zur Qualitätssteigerung der Behandlung von Brustkrebspatientinnen beigetragen hat und weiterhin beitragen kann“, erklärt sie.

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Etwa 250 Brustkrebszentren haben in Deutschland mittlerweile ein Qualitätssiegel von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) erhalten. Dazu müssen sie eine leitliniengerechte und interdisziplinäre Betreuung von Brustkrebspatientinnen vorweisen. „Die Zertifizierung der Zentren ist eine wegweisende Maßnahme, die bei den Kliniken eine hohe Akzeptanz findet“, betont Prof. Dr. med. Werner Hohenberger, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft.

Generell positives Fazit

Um die Qualität der Zentren zu überprüfen, erstellten die Fachgesellschaften nun anhand von 26 Qualitätskennzahlen und auf der Basis der Daten von etwa 50 000 Brustkrebspatientinnen an 246 Standorten einen Benchmarking-Bericht. Zu den untersuchten Qualitätskennzahlen gehören unter anderem der Anteil der Patientinnen, die leitliniengerecht adjuvant bestrahlt oder systemisch therapiert wurden, die Häufigkeit psychoonkologischer oder psychosozialer Beratungsgespräche oder die Häufigkeit der histologischen Diagnosesicherung vor der Operation. Ergänzt wird der Bericht zudem durch eine Befragung von mehr als 7 000 Patientinnen, die 2010 an den zertifizierten Zentren behandelt wurden. „Die flächendeckende Umsetzung moderner evidenzbasierter Therapieempfehlungen ist für eine verbesserte Versorgung der Patientinnen enorm wichtig“, erläutert Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg, Vorsitzender der Zertifizierungskommission der DKG, bei der Vorstellung des Berichts Anfang Dezember in Berlin. Jener zeige erfreulicherweise, dass die Vorgaben, die anhand der Leitlinien definiert wurden, von den meisten Zentren erreicht oder sogar übertroffen wurden. Die Daten verschafften aber nicht nur einen Überblick über den Qualitätsstandard, sondern würden vielmehr den einzelnen Zentren erlauben, ihre Leistungen im Vergleich zu anderen einzuordnen und eventuell zu optimieren.

Für mehr

Transparenz sorgt auch die begleitende Patientinnenbefragung. Ihre Auswertung zeige, dass die Ziele und Inhalte der zertifizierten Zentren entsprechend des Nationalen Krebsplans gut umgesetzt würden, betont Prof. Dr. med. Holger Pfaff vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Universität Köln. Sehr gut benotet hätten die Patientinnen die Erreichbarkeit von Ärzten und die hohen Behandlungsstandards nach evidenzbasierten Leitlinien. Dies betätigt auch Meißler: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Patientinnen vollstes Vertrauen zu den Pflegekräften und den Ärzten hatten und sich gut unterstützt fühlten.“

Psychosoziale Defizite

Gleichwohl weist die Befragung auf Verbesserungspotenziale hin. Diese bestünden vor allem bezüglich der Bereitstellung von Informationen und bei der Einbeziehung der Patientinnen in die Behandlung, erläutert Pfaff. Zudem hätte man deutliche Unterschiede zwischen den Brustkrebszentren gefunden. „Aus Gesprächen mit den Patientinnen wissen wir, dass in einigen Krankenhäusern die Zeit für das informierende Gespräch fehlt, besonders dann, wenn es um Fragen zur psychosozialen oder psychoonkologischen Unterstützung geht“, bestätigt Meißler. Zum Teil würden aus ökonomischen Gründen Patientinnen bei einer brusterhaltenden Operation mit Sentinel-Lymphknotenbiopsie bereits am ersten postoperativem Tag entlassen, so dass ganzheitliche Leistungsangebote der Kliniken gar nicht genutzt werden könnten, kritisiert sie.

Der Präsident der DGS, Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, ist sich dennoch sicher: „Ein Paradigmenwechsel in der Therapie von Brustkrebs ist zementiert.“ Die Etablierung der Zentren werde die Onkologie weltweit beeinflussen.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann


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