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GELDANLAGE

Börsebius: Irrsinn total

Dtsch Arztebl 2011; 108(49): A-2677 / B-2233 / C-2205

Bald ist es soweit. Dann kommen Aktien eines Unternehmens an die Börse, das ganz alleine mehr wert ist (sein soll) als BMW, Bayer und Allianz zusammen. Das wären dann mehr als hundert Milliarden Dollar. Die Rede ist, Sie ahnen es schon, vom Internetriesen Facebook. Mark Zuckerberg, der umtriebige Chef der Social Network Company, will zwischen April und Juni nächsten Jahres ungefähr zehn Prozent von Facebook an die Börse bringen. Dafür möchte er gut zehn Milliarden Dollar einsacken.

Zugegeben, Facebook ist das größte und mit mehr als 800 Millionen Nutzern auch das erfolgreichste soziale Netzwerk der Welt. Gleichwohl ist es sehr fraglich, ob die Company so wertvoll ist, wie die Trompeten derzeit vor sich hin tröten. Ich habe da erhebliche Zweifel.

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Bei den ambitionierten Bewertungen und dem Hype, der diesem Börsengang (noch) nachgesagt wird, hilft nur die kühle Analyse der Fakten. Also: Facebook macht in diesem Jahr etwa zwei Milliarden Dollar Umsatz. Von daher ist die angepeilte Bewertung völliger Nonsens. Gibt es vernünftige Gewinne? Es werden keine harten Fakten präsentiert, Gewinnzahlen veröffentlicht der Konzern partout nicht. Nun könnten überdimensionierte Börsenbewertungen auch noch gerechtfertigt sein, wenn das Unternehmen exorbitante Wachstumsraten aufweist. Das kann Facebook in der Tat. Aber: Das scheint mir ein Vergangenheits- und bestenfalls noch Gegenwartsfaktum zu sein. Wir beobachten derzeit zwar noch zunehmende Wachstumsraten, die aber zusehends abflachen. Ein Alarmzeichen allererster Güte. 

Weiterhin bedenklich ist auch die Tatsache, dass Facebook den Börsengang alleine stemmen, also auf die Hilfe von Banken verzichten will. Offenbar scheuen sich die Verantwortlichen, vernünftige Daten und Fakten neutralen Dritten zu überlassen. Ich bin gespannt, wie hierauf die US-Finanzmarktaufsicht reagiert. Auch vom Timing her scheint mir der Börsengang unter einem unglücklichen Stern zu stehen. Das Marktumfeld hat sich mittlerweile enorm verschlechtert. Einerseits steht die Weltwirtschaft vor einem Abschwung, und anderseits scheint mir doch bei Internetfirmen im Markt eine zunehmende Skepsis einzusetzen. Kurzum: Das geplante Going Public steht jetzt erst recht unter einem ungünstigen Stern. Trotz breitangelegter Internetpropaganda.

Wer sich den Film „The Social Network“ angesehen hat, weiß, wie subtil Mark Zuckerberg die User zu manipulieren vermag, so lautet zumindest die glaubhafte Botschaft des gut gemachten Streifens. Jetzt sind wohl nach den Facebook-Nutzern die Aktionäre dran, denen einer vom Pferd erzählt wird. Auf dass auch sie reihenweise auf die verführerischen Sirenenklänge dieses Going Public hereinfallen. Irrsinn total. Es ist zwar Wahnsinn, aber die Methode ist unverkennbar.


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