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BÜCHER

Berichte im Gutachterverfahren: Hilfestellung und Motivation

PP 10, Ausgabe Dezember 2011, Seite 575

Sasse, Heiner

Roderich Hohage hat in der fünften Auflage seine Hilfestellungen für die Formulierung von Berichten im Gutachterverfahren in den psychoanalytisch begründeten Verfahren überarbeitet. Er wendet sich an Ausbildungskandidaten und an bereits niedergelassene Kollegen sowie Supervisoren. Die Gliederung des Buches ist übersichtlich, die einzelnen Abschnitte sind unabhängig voneinander zu lesen.

Hohage arbeitet die Leitidee der Psychotherapie-Richtlinie heraus, indem er die notwendige Begrenzung der Freiheit in der Behandlung durch verantwortliches Handeln des Therapeuten fordert. Er bezieht Position zugunsten einer pragmatischen Begrenzung und vertritt realistische und konkrete Zielsetzungen, die von einem Arbeitsbündnis ausgehen, in dem gemeinsame und begrenzte Zielsetzungen relativ schnell erarbeitet werden können. Im Praxisalltag findet man aber oft gerade Patienten, die dazu zunächst nicht in der Lage sind. Hier liegt das zentrale Spannungsfeld zwischen den beiden analytisch begründeten Richtlinienverfahren. In diesem Feld bleiben Fragen zunächst offen: Bei welchen Patienten können aktive Interventionen, fokussiertes Vorgehen zu guter Behandlung führen, und welche Patienten brauchen mehr Interventionen, mit denen seelische Verwicklungen oder Defizite erst gelockert oder überwunden werden müssen? Was muss sich entwickeln, muss sich aus dem Beziehungsgeschehen entfalten, ohne dass es direkt gemacht werden kann? Diese Fragen werden in den ersten Teilen des Buches nicht beantwortet, sie lassen sich aber in dem abschließenden Supervisionsteil durchaus wiederfinden.

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Besondere Stärken des Buches: Die Erarbeitung eines gemeinsamen Arbeitsmodells und die dabei auftauchenden Schwierigkeiten werden von einem erfahrenen Praktiker didaktisch gut aufgearbeitet. Die Notwendigkeit des Aufbaus eines individuellen Behandlungsverständnisses wird erkennbar. Hohage zeigt in vielen Fallbeispielen, wie die unbewusste Dynamik und hier insbesondere der aktive Anteil des Patienten an der Symptomentstehung konkret und erlebensnah beschrieben werden kann. Zur Beschreibung der Haltung des Therapeuten zwischen einfühlendem Verstehen und nicht strafend konfrontierendem Aufdecken formuliert er ein mehrdimensionales Konzept, aus dem seine eigene humane Perspektive erkennbar wird.

Anregend ist der neue Supervisionsteil wegen seiner Differenzierungen: Der Patient, die therapeutische Beziehung, die Handlungsebene und der Therapeut werden getrennt und in ihrem Zusammenwirken sowohl analysiert als auch zur Integration im Dienst der Behandlung zusammengeführt.

Die vielen konkreten Fallbeispiele aus der Praxis sind hilfreich, die Haltung des Therapeuten wird im Sinne von Qualität und Humanität spürbar und transparent dargestellt, die Suche nach dem unbewussten Sinn in jeder konkreten Erkrankung wird betont, das Supervisionskonzept überzeugt. Damit ist dieses Buch für die angesprochenen Personen sicher sinnvoll und hilfreich. Hohage motiviert, sich mit neuen Perspektiven wieder auf die Arbeit zu freuen. Heiner Sasse

Roderich Hohage: Analytisch orientierte Psychotherapie in der Praxis. Behandlungsplanung – Kassenanträge – Supervision. 5. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2011, 310 Seiten, gebunden, 39,95 Euro


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