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BRIEFE

Das Gespräch: Arroganz

Dtsch Arztebl 2011; 108(51-52): A-2771 / B-2313 / C-2281

Rosenkranz, Albrecht

„An den Akademischen Lehrkrankenhäusern wird die Lehre durch außerplanmäßige Professoren und Privatdozenten vertreten, die in einem engen Austausch mit der Fakultät stehen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Studierenden an den PJ-Einrichtungen wirklich eine Fortsetzung ihrer Ausbildung bekommen“, erklärt der MFT-Präsident. An den anderen Krankenhäusern stehe nicht annähernd in vergleichbarem Umfang qualifiziertes wissenschaftlich-ärztliches Personal zur Verfügung.

Dieses Zitat zwingt zum Widerstand, eine derartige Arroganz und fast schon beleidigende Äußerung darf nicht widerspruchslos verhallen. Es impliziert nämlich den Gedankengang, dass womöglich in den Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, die keine Akademischen Lehrkrankenhäuser sind, die Qualität der Patientenversorgung ebenso wie die Ausbildung von Studenten zu wünschen übriglässt.

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Eben in diesen Kliniken wird die Hauptlast der Patientenversorgung getragen, und eben hier wird der Lernende die Mehrzahl der „gängigen“ Erkrankungen und Verletzungen zu Gesicht bekommen, und hier gehört er auch meiner Meinung nach für einen Teil seiner Ausbildung hin.

Mein eigenes PJ habe ich Anfang der 90er Jahre in zwei Kreiskrankenhäusern gemacht. Geschadet hat es nicht, eher im Gegenteil, und das dritte Staatsexamen habe ich auch ohne Probleme bestanden.

Die Wahrheit darüber, dass die geplante Änderung der Approbationsordnung den Widerstand des MFT-Präsidenten auf den Plan ruft, liegt wohl doch eher darin, dass von den medizinischen Fakultäten ein Verlust von billigen Arbeitskräften für die Stationsroutine etc. befürchtet wird.

Auch woher der Herr Professor Bitter-Suermann die prophetischen Fähigkeiten nimmt, vorherzusagen, dass eine Arztausbildung in strukturschwachen Regionen den Landarztmangel nicht wenigstens etwas kompensiert, vermag sich mir nicht zu erschließen. Das Gegenteil ist jedenfalls nicht bewiesen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen in strukturschwachen Regionen pauschal schlechter sein sollen als im Ballungsraum.

Im Übrigen: Aufwandsentschädigungen oder Barzahlungen für PJler werden doch schon heute von bestimmten Akademischen Lehrkrankenhäusern vorgenommen.

Zusammenfassend möchte ich, als an einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung tätiger Leitender Oberarzt, die geplante Freiheit des PJ ausdrücklich begrüßen (die freie Wahl der Klinik gab es sogar in der sonst als eher restriktiv bekannten DDR), denn so wird dem ärztlichen Nachwuchs ausreichend Gelegenheit gegeben, Erfahrungen zu machen und aus der Vielfalt der Möglichkeiten, auch der des ländlichen Lebens, diejenige auszusuchen, die am besten in die eigene Lebensplanung passt . . .

Dr. Albrecht Rosenkranz, 04668 Parthenstein


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