BRIEFE
Medizinertest: Ein Werdegang
Dtsch Arztebl 2011; 108(51-52): A-2772 / B-2314 / C-2282

. . . Ohne Zivildienst wäre ich nie Arzt geworden . . . wie auch mit einem Abi von 3,2? . . .
Ich hatte das große Glück, im Zivildienst in der Notaufnahme eines Kreiskrankenhauses zu arbeiten. Nach kurzer Anlernphase unter den wachsamen Augen der Schwestern und Ambulanzärzte durften wir alles machen, wofür wir das nötige Geschick zeigten.
Das war in den 90ern in der BRD noch möglich. Da ich mich geschickt anstellte und gut mit Menschen im Allgemeinen und alten Leuten im Besonderen umgehen konnte, riet mir der damalige Altassi (inzwischen Chefarzt), doch Medizin zu studieren . . .
Aber der Medizinertest, ohne ausreichende Vorbereitung nach einer Woche Nachtdienst, ging ziemlich in die Hose – 101 Punkte halfen auch nicht weiter!
Also, weiter bewerben über die ZVS und erst einmal Mensch werden. Sechs Monate durch die USA und Kanada getrampt (vom selbst verdienten Zivigeld) und danach zehn Monate als Lkw-Fahrer in einer großen Psychiatrie gearbeitet.
Und dann endlich der ersehnte Studienplatz. Alles ohne Komplikationen, man wusste, wofür man lernte . . . Examen mit 2,0 abgelegt . . . so viel zum Thema NC!
Heute bin ich niedergelassener Allgemeinmediziner (seit mehr als fünf Jahren) – auf dem Land. Glauben Sie allen Ernstes, dass jemand mit Abi 1,0 sich zu so etwas herablassen würde, ich wage auch zu bezweifeln, dass er/sie der Richtige wäre! Also, wer eine Hochschulreife hat und den Willen, der soll es machen . . .
Christoph Dannheim, 31275 Lehrte
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