AKTUELL
Randnotiz: Auf Leben und Tod
Dtsch Arztebl 2012; 109(1-2): A-5 / B-5 / C-5


Die Schmerzen in der Brust kommen krampfartig, in Wellen, immer wieder. Ein Aortenaneurysma. Ganz sicher! Panik steigt hoch. Erst kürzlich habe ich einen Patienten mit dieser Diagnose verloren. Was wird aus meiner kleinen Tochter, wenn ich nicht mehr bin? Die Gedanken rasen durch meinen Kopf.
Ich muss in die Klinik. Schnell. Doch in welche? Bis zur Uniklinik sind es nur wenige Kilometer. Aber nein, ich will in mein Krankenhaus. Zu meinen Kollegen, die ich kenne, und denen ich vertraue. Auch wenn es 30 Kilometer sind bis dorthin. Diese Schmerzen.
Den Notarzt rufen? Nein. Notarzt bin ich selbst. Bis der andere hier ist, bin ich längst auf der Autobahn.
Auf der Autobahn werden die Schmerzen unerträglich. Den Rettungshubschrauber anfordern? Nein. Der Aufwand. Die Kosten. Weiter, weiter, immer weiter. Für den Fall, dass ich kollabiere, kritzele ich meine Symptome und vor allem meine Diagnose auf einen Zettel. Dann kann der herbeigerufene Notarzt direkt loslegen und mein Leben retten. Noch ein paar hingeschmierte Zeilen für meine Frau und meine Tochter, falls es nicht gelingt.
Endlich im Krankenhaus. Ich krümme mich vor Schmerzen. Die Kollegen eilen herbei. Ein Schmerzmittel. Linderung. Ihr dürft keine Zeit verlieren. Ihr müsst mein Leben retten. Das Aneurysma! Schnell!
Der nächste Tag. Wieder im Krankenhaus. Die Kollegen feixen mir auf den Gängen zu: Er lebt! Was für eine Dramatik. Welch ein Überlebenskampf. Eine medizinische Meisterleistung. Ein Hoch auf die Heilkunst!
Ist ja schon gut, liebe Kollegen. Kann ja kein Mensch ahnen, welche Schmerzen so ein Nierenstein verursacht. Danke fürs Zertrümmern.
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