
Das Untersuchen von Präparaten ist ein wichtiger Bestandteil des Medizinstudiums. Üblicherweise erhält jeder Student zu Semesterbeginn einen Kasten mit 50 bis 100 Präparaten, mit denen er selbstständig arbeiten kann. Dazu ist er jedoch an die universitäre Infrastruktur gebunden. So sind die Öffnungszeiten der Mikroskopiersäle und die Anzahl der Vergrößerungsgeräte begrenzt.
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, Erlangen, des Universitätsklinikums Erlangen sowie der Universität Erlangen-Nürnberg haben ein Zusatzangebot geschaffen, das den Lernenden rund um die Uhr zur Verfügung steht: eine Plattform für webbasiertes Mikroskopieren. Die Projektpartner haben dazu bislang 200 Proben in 40-facher Vergrößerung digitalisiert und in einer Datenbank angelegt. Dort können die Nutzer Präparate nach bestimmten Stichpunkten – etwa Körperregionen oder Krankheitsbefunden – recherchieren. Per Mausklick lassen sich die Aufnahmen unter bestimmten Vergrößerungen betrachten oder stufenlos zoomen. Bildausschnitte, die relevante Gewebeveränderungen oder andere Besonderheiten aufweisen, sind interaktiv markiert.
Damit auch kleinste Details in den Präparaten gut erkennbar sind, müssen die Aufnahmen in sehr hoher Auflösung zur Verfügung stehen. Die Bilddateien erreichen so schnell eine Größe von bis zu fünf GByte. Damit die Studenten effektiv mit den Daten arbeiten können, werden die Aufnahmen daher in Bildkacheln unterteilt. Je nachdem, welchen Bildausschnitt der Nutzer gerade ansieht, müssen nur die entsprechenden Kacheln in der notwendigen Auflösung übertragen werden – ein ähnliches Prinzip wie bei Google Earth. Je nach Bildausschnitt wird die Auflösung pyramidenförmig Schritt für Schritt reduziert: Je größer der Bildausschnitt, desto geringer die Auflösung und umgekehrt.
Die Plattform soll das „richtige“ Mikroskopieren nicht ersetzen, sondern ergänzen. Mit ihr können die Studierenden flexibler lernen und über die Datenbank auf eine viel umfangreichere Präparatesammlung zugreifen. Seit dem Sommersemester 2011 können Studierende der Universität Erlangen die Plattform ergänzend zu den Pathologie-Vorlesungen nutzen. Mit der Online-Anmeldung zur Vorlesung erhalten sie einen passwortgeschützten Zugang zur Datenbank, anschließend erfolgt eine kursbegleitende Evaluation des Lernerfolgs und der Zufriedenheit der Studierenden. Aufgrund der positiven Rückmeldungen soll die Kooperation auf andere Institute ausgeweitet werden. EB
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