Schlaganfallpatienten profitieren langfristig nicht von einer Bypass-Operation der Arteria carotis interna. Zu diesem Schluss kommt der Neurologe William Powers (Chapel Hill, USA) in einer kürzlich veröffentlichten Studie (JAMA 2011; 306[18]: 1983–92). Die alleinige medikamentöse Therapie schützt demnach innerhalb von zwei Jahren genauso gut vor einem erneuten Hirninfarkt wie der chirurgische Eingriff kombiniert mit einer optimierten konservativen Therapie.
In die Studie eingeschlossen waren 200 Patienten, die in den vorhergehenden vier Monaten eine Halbseitensymptomatik wegen eines Verschlusses der Arteria carotis interna erlitten hatten. Ungefähr die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich zur medikamentösen Standardtherapie eine Bypass-Operation. Dabei verbanden die behandelnden Neurochirurgen einen oberflächlichen Ast der Schläfenarterie mit Ästen der mittleren Hirnarterie. Der andere Teil der Patienten wurde lediglich konservativ, aber leitliniengerecht behandelt (Thrombozytenfunktionshemmer, Regulierung von Blutdruck und Blutfetten). Bereits nach zwei Jahren beendeten die Wissenschaftler die Studie vorzeitig, da sich zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied zeigte. Ob mit oder ohne Bypass-Operation, etwa 20 Prozent der Patienten hatten auf der betroffenen Seite erneut einen Schlaganfall erlitten.
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Über einen längeren Zeitraum gesehen, ergibt sich also kein entscheidender Vorteil für die Bypass-Operation. Eine mögliche Erklärung hierfür bietet das Zwischenergebnis der Studie nach 30 Tagen: Denn zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 14 Prozent der operierten Patienten einen erneuten Schlaganfall erlitten, in der Gruppe ohne Operation waren es nur zwei Prozent. So ist vor allem das perioperative Risiko dafür verantwortlich, dass Patienten mit Schlaganfall nicht von einem Hirn-Bypass profitieren. Prof. Dr. med. Joachim Röther, Präsident der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, nennt eine weitere mögliche Erklärung für das Studienresultat: „Zum Zeitpunkt der Operation lag der Hirninfarkt ja bereits bis zu vier Monate zurück – genügend Zeit also für die Ausbildung von Kollateralen, die den Bereich des Verschlusses auch ohne Operation überbrücken können. Das durch die Operation zusätzlich herangeführte Blut konnte so also keine zusätzliche positive Wirkung entfalten.“
Einen weiteren Grund sieht Röther darin, dass sich die medikamentöse Therapie von Patienten mit einem Schlaganfall in den letzten Jahren wesentlich weiterentwickelt hat. EB
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