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KUNST + PSYCHE

Jahresthema 2012: Tabu: Ein Begriff erobert die Welt

PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 2

Kraft, Hartmut

Porträt James Cook (1728–1779), Kupferstich 10 × 15 cm aus: „Buch der Welt“, Nürnberg 1845, Tafel 45. Foto: Eberhard Hahne

Mit Beginn des neuen Jahres kehrt die Serie „Kunst und Psyche“ zurück. Alle Titelbilder in 2012 werden sich dem Thema „Tabu“ widmen. Kontroverse Reaktionen sind leicht vorstellbar – und erwünscht.

Den heute weltweit verbreiteten Begriff Tabu verdanken wir dem britischen Seefahrer und Entdecker Sir James Cook (1728–1779). Auf seinen drei Weltumseglungen leistete er Bahnbrechendes zur Erforschung der Südsee und des subarktischen Raumes. Von seiner dritten Reise (1776–1780) kam er nicht mehr lebend zurück. Als die Schiffe 1780 nach England zurückkehrten, brachten sie nicht nur geografische Erkenntnisse und zahlreiche Artefakte wie Keulen, Körbe und Kleidungsstücke mit, sondern auch neue Begriffe wie „Tabu“, „Mana“ und „Barbecue“ aus den Sprachen der Südsee.

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Erstmalig im Juli 1777 verzeichnete Cook den neuen Begriff Tabu in seinem Logbuch. Tabu schien sehr umfassende und vielschichtige Verbote zu kennzeichnen. Ob die Verbote immer religiösen Ursprungs waren, musste offenbleiben. So gelangte das Tabu als ein unscharf definierter, schillernder Begriff von der polynesischen Inselwelt nach Europa – und wurde in fast alle Sprachen übernommen: „taboo“ heißt er auf Englisch, „tabou“ auf Französisch, „tabù“ auf italienisch und „tabú“ auf Spanisch. Selbst die Japaner haben diesen Begriff übernommen, obwohl hier eine vergleichbare Bezeichnung bereits existierte. Die schnelle Übernahme des Begriffs Tabu verweist darauf, dass allen gesellschaftlichen und kulturellen Unterschieden zum Trotz vergleichbare Phänomene überall auf der Welt zu beobachten waren und sind – ohne dass bis dahin eine treffende Bezeichnung existiert hatte. Es bestand eine „Wortschatzlücke“.

Es war jedoch noch ein langer Weg bis zur bewussten Übertragung des Begriffs Tabu auf vergleichbare europäische Phänomene. Eine mögliche Analogie musste lange Zeit verschleiert werden – zu groß wäre die Kränkung gewesen, ein Phänomen der „Primitiven“ auch in unserer eigenen „Hochkultur“ vorzufinden.

Dr. med. Hartmut Kraft

Biografie James Cook
James Cook wurde am 27.Oktober 1728 in Marton, einem Dorf in Yorkshire, geboren. Seine Einsatzbereitschaft und vor allem seine großen Fähigkeiten in der Kartografie brachten ihm die königlichen Aufträge zu drei Weltumseglungen ein. Er entdeckte unter anderem zahlreiche Inseln der Südsee, die er mit großer Präzision kartografierte. Seine Berichte über ferne Völker und Gebräuche stießen auf großes wissenschaftliches wie auch öffentliches Interesse. Am 14. Februar 1779 wurde er bei Auseinandersetzungen mit Einheimischen am Strand von Hawaii erschlagen.


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