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BRIEFE

Selektivvertrag: Viele Fragezeichen

PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 36

Der Selektivvertrag erscheint höchst bedenklich und auch mit ethischen Fragezeichen behaftet. Für 20 Euro mehr ist also nun innerhalb von drei Tagen ein psychotherapeutisches Erstgespräch zu erhalten, das für 80 Euro erst in einem Vierteljahr zu bekommen wäre? Sehr eigentümlich. Und wie viele Therapeuten werden dann mit ihren Patienten lediglich die zehn Stunden für 105 Euro leisten und dann wieder neue Patienten für das hohe Honorar nehmen? Schon bisher gab es Zusatztitler, die immer nur die probatorischen Sitzungen abrechneten, sich aber das dann fällige Antragsverfahren ersparten! So wie es ja auch hin und wieder Therapeuten gibt, die lediglich berichtsfreie Kurzzeittherapien durchführen und die Therapie dann wegen des Gutachterverfahrens beenden! Was dann zur Folge hat, dass der Patient bei einem neuen Therapeuten wieder von vorn anfangen muss. Bei einer Fortsetzung der Psychotherapie fehlt dann auch noch die Qualitätskontrolle durch das Gutachterverfahren. Das hat zur Folge, dass auch manch therapeutischer Wildwuchs wuchern kann. Die AOK Baden-Württemberg wird früher oder später merken, dass sie kein Geld spart, sondern im Gegenteil mehr Geld für oft unzureichende Therapien mit daher weniger Langzeitheilungen ausgibt.

Dr. med. Paul R. Franke, 39104 Magdeburg

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