Referiert
Burn-out bei Psychotherapeuten: Hohe Arbeitsbelastung und starke Involviertheit
PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 42


Was lässt Psychotherapeuten ausbrennen? Mit dieser Frage haben sich koreanische und US-amerikanische Psychotherapieforscher um Jae Young Lee von der Seoul Cyber University (Südkorea) befasst. Sie werteten 17 Studien aus, die zwischen den Jahren 1988 und 2008 erschienen waren und Burn-out bei amerikanischen Psychotherapeuten untersucht haben. Wie sich herausstellte, waren vor allem zwei Faktoren für emotionale Erschöpfung verantwortlich: zum einen starke Arbeitsbelastungen (etwa durch eine hohe Patientenzahl, Überstunden und viele Verwaltungstätigkeiten), zum anderen intensive persönliche Involviertheit (also hohe Empathie, sich alles sehr zu Herzen nehmen, sich zu viele Sorgen machen, nicht abschalten können). Paradox war, dass letzteres zugleich mit positiver Bestätigung, Motivation und Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit einherging. Darüber hinaus zeigte sich, dass emotionale Erschöpfung zwar die Arbeitszufriedenheit von Psychotherapeuten beeinträchtigte, aber nur selten zu Kündigungsabsichten oder zum Wunsch, den Beruf aufzugeben, führte. Nach Meinung der Autoren ist die geringe Bereitschaft, zu kündigen oder aus dem Beruf auszusteigen, auf die Involviertheit und die persönliche Verpflichtung von Psychotherapeuten gegenüber ihren Patienten zurückzuführen. „Die Befunde sind typisch für Burn-out bei Psychotherapeuten.“ Um Burn-out zu vermeiden, empfehlen sie, die Arbeitsbelastung zu verringern, Selbstfürsorge zu betreiben und zwischen schädlicher und nützlicher Involviertheit unterscheiden zu lernen. ms
Lee J, Lim N, Yang E, Lee S: Antecedents and consequences of three dimensions of burnout in psychotherapists. Professional Psychology, Online first publication, 25.04.2011, doi: 10.1037/a0023319.
Sang Min Lee, College of Education, Korea University, Seoul 136–701 (South Korea), leesang@korea.ac.kr
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