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KULTUR

Griechenland: Zwischen Himmel und Erde

PP 11, Ausgabe Januar 2012, Seite 46

Goddemeier, Christof

Fotos: Picture Alliance

Weltkulturerbe in der Mitte Griechenlands: die Metéora Klöster

Bereits aus zehn Kilometern Entfernung beeindrucken die riesigen, dunklen Steinsäulen. Fährt man von Trikala die weite und fruchtbare thessalische Ebene östlich des Pindos-Gebirges nach Norden, sieht man sie in der Ferne. Metéora bedeutet „in der Luft schwebend“, der Name geht zurück auf den Mönch Athanasios, der 1356 auf einem mehr als 600 Meter hohen Felsen das erste Kloster errichtete. Wie zwischen Himmel und Erde schwebend erscheinen die Klöster dem Betrachter. Mitte des 19. Jahrhunderts zählt der französische Archäologe Léon Heuzey den „Wald von gewaltigen nadelförmigen Felsen“ zu den Wundern des Orients.

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Im neunten Jahrhundert kommen die ersten Eremiten hierher. Die Einwohner verlachen und verspotten die armseligen Gestalten, die in Höhlen und Felsspalten Gebetsstellen errichten. Im 14. und 15. Jahrhundert entstehen 13 Klöster und 20 Einsiedeleien – meistens als Stiftungen reicher Privatleute. Das Sakrale regelt jedes Kloster mit seinem Abt, der dem Metropoliten untersteht. Der lebte bis 1899 im größten der Klöster, seitdem hat er seinen Sitz in Trikala. Manche der Klöster unterhalten Verbindungen zu den Konventen um den Berg Athos. Sie sind wohlhabend, die türkische Herrschaft in Griechenland überstehen sie zunächst mit Tributzahlungen. Doch ab dem 17. Jahrhundert verlassen die Mönche eine Anlage nach der anderen. Zu hoch sind die türkischen Forderungen, und Streitereien um Land entziehen den kleineren Klöstern die Lebensgrundlage. Während der Befreiungskriege findet die Bevölkerung hier immer wieder Unterschlupf.

Von Mönchen bewohnt werden nur noch vier der Felsenklöster. Sie gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Bis ins vergangene Jahrhundert sind die meisten Anlagen nur über hohe Leitern oder Seilwinden erreichbar. Mönche und Besucher werden in Netzen und Körben in die Höhe gezogen. „(. . .) sehr unbehaglich ist es, wenn dann und wann das Netz mit seiner Last an den Felsen anprallt. Unglücksfälle (. . .) sollen nie vorgekommen sein. So jedenfalls behaupten es die Mönche (. . .)“, berichtet der Sprachwissenschaftler Otto Kern 1912. Heute kann man noch sechs Klöster besichtigen. Vier von ihnen sind bewohnt. Treppen und Brücken führen die Besucher sicher hin. Doch die Seilwinden sind noch erhalten. Mehrmals im Jahr ändern sich die Öffnungszeiten – das Tourismusbüro in Kalámbaka informiert über den aktuellen Stand.

In der Orthodoxie ist die sakrale Funktion wichtiger als der kunsthistorische Rang. Im Lauf eines kontinuierlichen Klosterlebens wurden viele Wandmalereien übermalt und sind daher neueren Datums. Bedeutsam sind die Fresken der kretischen Schule um den Meister Theophanes (16. Jahrhundert), reich verzierte Ikonostasen und Ikonen, die etwa im Museum des größten Klosters zu besichtigen sind. Anfang des 17. Jahrhunderts schuf Diakon Daniel in jahrelanger Arbeit Holzkreuze mit filigransten Verzierungen, manche Details sind nur mit der Lupe erkennbar.

Von den 1 200 Manuskripten gehören mehr als die Hälfte dem Kloster Megálo Méteoro, darunter religiöse Kodexe und Abschriften altgriechischer Texte von Aristoteles bis Sophokles. 1908 entdeckte Nikolas Beos diesen Schatz an Handschriften, den die Mönche in speziellen Krypten dem türkischen Zugriff entzogen.

Zum Kloster Agia Triáda führt von Kalambáka ein etwa einstündiger Wanderweg. Der Felsen ist mehrere Hundert Meter hoch, von außen hält man ihn nicht für besteigbar. Oben pfeift der Wind, und der Blick schweift kilometerweit über die thessalische Ebene. Mit etwas Muße sieht man Schlangen, die meistens schnell die Flucht ergreifen.

Christof Goddemeier


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