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SCHLUSSPUNKT

Körperbilder: Peter Paul Rubens (1577–1640): Barocke Schönheiten Ausstellung

Dtsch Arztebl 2012; 109(3): [120]

Schuchart, Sabine

Peter Paul Rubens: „Bündnis der Erde mit dem Wasser“, circa 1618–21, Öl auf Leinwand, 222,5 × 180,5 cm: Im Zentrum des allegorischen Werks steht die lebensspendende Göttin Kybele mit dem Füllhorn in der Hand als Verkörperung der Erde. Meeresgott Neptun mit dem Dreizack in der rechten Hand repräsentiert das Element Wasser. Über ihren Köpfen segnet die Siegesgöttin Nike die fruchtbare Verbindung von Erde und Wasser. Rubens bediente sich zwar der antiken Mythologie, thematisierte mit den nackten Gottheiten aber ein damals aktuelles Thema: die lebenswichtige Verbindung seiner unter spanischer Herrschaft stehenden Heimatstadt Antwerpen mit dem Fluss Schelde, deren Mündung immer wieder durch die Holländer blockiert wurde. ©State Hermitage Museum, St. Petersburg

Aus Fleisch und Blut, sinnlich, üppig, kraftstrotzend sind sie, die Körper auf den Leinwänden des Peter Paul Rubens. Sie machten seinen Namen zum Synonym für prachtvolle barocke Leibesfülle. Als er um 1618 seine Allegorie „Bündnis der Erde mit dem Wasser“ schuf, war er bereits ein in Europa anerkannter und berühmter Maler, der von religiösen Institutionen, regierenden Höfen und reichen Privatleuten mit Aufträgen überhäuft wurde. Er konnte sich die Freiheit nehmen, den menschlichen Körper in all seiner Natürlichkeit und Fleischlichkeit zu zeigen – bis hin zum schonungslosen, von den Auftraggebern durchaus gefürchteten Realismus. Doch hier porträtierte er in aller Schönheit seinen bevorzugten Frauentypus in Gestalt der Göttin Kybele, eine junge, nackte, wohlgerundete Beauté des 17. Jahrhunderts. Gelassen blickt sie zu dem dunkelhäutigen muskulösen Adonis an ihrer Seite, dem Meeresgott Neptun.

Die faszinierende Wirkung des Bildes aus dem Besitz der St. Petersburger Eremitage, das noch bis Mitte März in Amsterdam zu sehen ist, geht vor allem von dem temperamentvollen Pinselstrich aus, mit dem Rubens die Körper auf der Leinwand zu sinnlicher Lebendigkeit erweckte. Zu der intensiven Körperlichkeit hatte er unter dem Einfluss antiker Kunst und italienischer Maler wie Caravaggio gefunden. Für die Stilllebenelemente im Bild war ein anderer Künstler zuständig: Frank Snyders, ein vor allem auf Tierdarstellungen spezialisierter Maler. Diese Arbeitsteilung war damals nicht ungewöhnlich, versprach doch die Kombination verschiedener Genres sogar einen Mehrwert für ein Gemälde. In seinem prächtigen Haus in Antwerpen unterhielt Rubens eine Werkstatt, die mehr als 3 000 Arbeiten hervorbrachte und ihm immensen Reichtum bescherte. Etwa 600 soll er selbst gemalt oder zumindest überarbeitet haben.

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Der umfassend gebildete Rubens war ein Star des Barock: Als Künstler, Unternehmer und Diplomat, der im Auftrag der in Flandern regierenden spanischen Infantin Isabella zwischen den rivalisierenden Großmächten Spanien und England vermittelte. Doch zuallererst fühlte er sich seiner Heimatstadt Antwerpen verbunden, die unter den europäischen Konflikten schwer litt. Dass er die Göttin Kybele als Bildmotiv wählte, war kein Zufall – sie galt auch als Beschützerin der Städte. Sabine Schuchart

„Rubens, Van Dyck & Jordaens“ Eremitage Amsterdam, Amstel 51,
Amsterdam, tgl. 10–17, Mi. 10–20 Uhr; www.hermitage.nl; bis 16. März


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