MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Obstruktive Schlafapnoe: CPAP-Beatmung beugt metabolischem Syndrom vor
Dtsch Arztebl 2012; 109(3): A-92 / B-84 / C-84


Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor: Ab einem Index von 15 Apnoe-/Hypopnoe-Episoden pro Stunde (AHI) verdoppelt sich das Risiko für einen Hypertonus, ab einem AHI von 30 verdreifacht es sich im Vergleich zu Probanden ohne OSA. Als pathologisch gilt die Atmungsstörung ab einem AHI von 5, ab 30 handelt es sich um schwergradige Formen. Forscher des Institute of Medical Sciences in Neu-Delhi haben in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie untersucht, ob eine kontinuierliche positive Überdruckbeatmung (CPAP) bei 86 Patienten mit schwerer OSA (durchschnittlicher AHI von 47,8, Tagesschläfrigkeit) den Faktoren, die für das metabolische Syndrom charakteristisch sind, entgegenwirkt. 75 Probanden (87 %) hatten ein metabolisches Syndrom.
Die Studienteilnehmer waren in zwei Gruppen randomisiert worden: Eine Hälfte erhielt für drei Monate eine CPAP, die zweite Gruppe wurde placebotherapiert: Aus den Masken entwich, für Ärzte und Patienten nicht wahrnehmbar, der zusätzliche Sauerstoff. Nach drei Monaten gab es für beide Gruppen vier Wochen Pause, danach wurden die Studienarme getauscht (cross-over für weitere drei Monate). Untersuchungen erfolgten jeweils zu Beginn und Ende der Behandlungsphasen.
Die CPAP-Therapie war mit einer durchschnittlichen, statistisch hochsignifikanten Abnahme des systolischen Blutdrucks um 3,9 mm Hg und des diastolischen Wertes um 2,5 mm Hg assoziiert (p ≤ 0,001). Die Konzentrationen des Gesamtcholesterins verminderten sich unter CPAP um durchschnittlich 13,3 mg/dl im Vergleich zu Placebo, die des LDL (low density lipoprotein) um 9,6 mg/dl, die der Triglyzeride um 18,7 mg/dl und der Anteil des HbA1c sank um 0,2 %.
Auch der Body-mass-Index und das viszerale Fett reduzierten sich durch CPAP. Die Therapie führte bei 13 % der Patienten mit metabolischem Syndrom zu einer Rückbildung und bei 1 % unter Placebo.
Fazit: Eine kontinuierliche positive Überdruckbeatmung bessert bei schwerer obstruktiver Schlafapnoe die kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonus und Fettstoffwechselstörungen statistisch signifikant. CPAP fördert bei metabolischem Syndrom dessen Rückbildung. Bei länger bestehender obstruktiver Schlafapnoe könnte eine effektive Therapie durch CPAP auch einer Herzinsuffizienz vorbeugen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
Sharma SK, Agrawal S, Damodaran D, et al.: CPAP for the metabolic syndrome in patients with obstructive sleep apnea. NEJM 365; 2011: 2277–86. MEDLINE
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