Ja, wo gibt’s denn so was? Nun müssen die Anleger sogar Negativrenditen in Kauf nehmen, wenn sie ganz sicher gehen wollen, dass mit ihrem Geld nichts Arges passiert. So geschehen bei der jüngsten Auktion der Finanzagentur des Bundes. Trotzdem wurden der Bundesrepublik Deutschland ihre kurzfristig laufenden Papiere aus den Händen gerissen – so riesengroß war die Nachfrage nach erstklassigen Triple-A-Papieren, made in Germany. Und es steht zu vermuten, dass nach der Herabstufung Frankreichs die deutschen Negativrenditen noch höher werden. So weit ist es also gekommen, Geld bringen und weniger Geld zurückbekommen, von der gefräßigen Inflation gar nicht zu sprechen. Schade nur, in dem Zusammenhang, dass es keine negative Zinsabschlagsteuer gibt.
Ist doch klar, dass aus alledem für den Anleger ein veritabler Anlagenotstand folgt. Die Gefahr, sichere Papiere nicht zu kaufen, weil sie einfach nichts abwerfen und sich dafür hochriskanten höher verzinslichen Produkten oder windigen Modellen zuzuwenden, ist gegeben. Nicht umsonst werden im Moment Griechenland-Bonds von vielen wie verrückt gekauft, weil deren Renditen genauso irre sind wie die Annahme, das fände ein gutes Ende.
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Verzweiflung ist gleichwohl nicht angebracht, der Anlagenotstand im Grund unnötig. Wer sich am Aktienmarkt umschaut, stößt schnell auf einige Titel, die an der Börse deutlich unter ihrem eigenen Wert gehandelt werden. Erkennen lässt sich das am sogenannten Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Ist diese Kennzahl kleiner als eins, heißt das, die Börse „bezahlt“ für das Unternehmen weniger als seinen tatsächlichen Wert (Vermögen minus Schulden). Zu meinen Favoriten zähle ich hier die Allianz, die Münchener Rück, Infineon und vor allem die Deutsche Post – die Metro und Heidelberger Cement vielleicht auch noch.
Die Buchwertbetrachtung (je niedriger das KBV ist, desto größer ist das Potenzial der Aktie) ist allerdings auch mit Vorsicht zu genießen. Die Commerzbank etwa glänzt mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von gut 0,3 und wird damit also nur mit rund einem Drittel seines Eigenkapitals bewertet. Da ist das Ausfallrisiko einfach zu hoch. Generell scheint mir das KBV aber doch ein ganz gutes Auswahlkriterium zu sein. Ausnahmen (Commerzbank, Pfleiderer) bestätigen bloß die Regel. Langfristig macht sich diese Strategie aber sicher bezahlt. So kann ein wenig Mut reich belohnt werden.
Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Nicht wie an jedem 1. Samstag des Monats, sondern (wegen eines Auslandsaufenthalts) erst am 2. Samstag, dem 11. Februar 2012 können Sie in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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