MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Thromboseprophylaxe: Neuer Faktor-Xa-Hemmer ist Enoxaparin nicht überlegen
Dtsch Arztebl 2012; 109(4): A-151 / B-139 / C-139


Neue Antikoagulantien gewinnen bei der Prophylaxe thromboembolischer Ereignisse derzeit an Bedeutung. Welcher Stellenwert dem Faktor-Xa-Hemmer Apixaban im Vergleich zu Enoxaparin bei der Thromboseprophylaxe internistischer Patienten zukommt, ist in einer doppelblinden Studie mit Double-Dummy-Design geprüft worden. In die Studie wurden akut kranke Patienten mit Herzinsuffizienz, respiratorischer Insuffizienz oder schwerer anderer internistischer Erkrankung und mindestens einem weiteren zusätzlichen Risikofaktor für ein thromboembolisches Ereignis eingeschlossen, die stationär behandelt wurden und bei denen eine Verweildauer von mindestens drei Tagen in der Klinik erwartet wurde. 6 528 Patienten wurden randomisiert und erhielten entweder sechs bis 14 Tage lang 40 mg Enoxaparin s. c. einmal täglich oder 30 Tage lang zweimal täglich 2,5 mg Apixaban oral.
4 495 Patienten konnten für den primären Endpunkt (venöse Thromboembolie, Lungenembolie, symptomatische oder asymptomatische proximale tiefe Venenthrombose am Tag 30) evaluiert werden, davon 2 211 in der Apixaban- und 2 284 in der Enoxaparin-Gruppe. Von diesen Patienten erfüllten 2,71 % unter Apixaban und 3,06 % unter Enoxaparin die Kriterien des primären Endpunktes. Das entspricht einem relativen Risiko von 0,87 unter Apixaban (95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,62–1,23, p = 0,44) im Vergleich zu Enoxaparin. Bei 0,47 % der Patienten unter Apixaban und bei 0,19 % unter Enoxaparin trat eine schwere Blutung auf. Das relative Risiko beträgt damit 2,58 (95-%-KI 1,02–7,24; p = 0,04).
Fazit: Die Studie zeigt, dass auch die neuen oralen direkten Xa-Hemmer mit einem geringen, aber nachweisbaren Risiko für schwere Blutungen assoziiert sind. Dies wäre akzeptabel, wenn durch den Einsatz der Medikamente häufigere und gefährlichere thrombotische Ereignisse verhindert werden. Bei der prophylaktischen Behandlung internistischer Patienten sei dies aber nicht der Fall, meint Prof. Dr. med. Christoph Bode, Freiburg. Daher scheide diese Indikation unter den getesteten Bedingungen in Zukunft als Anwendungsgebiet für Apixaban aus. Christine Vetter
Goldhaber SZ, et al.: Apixaban versus Enoxaparin for Thromboprophylaxis in Medically Ill Patients. NEJM 2011, 365: 2167–77. MEDLINE
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