POLITIK

Hausärzte und Pflege: Gemeinsame Lösungen

Dtsch Arztebl 2012; 109(4): A-132

Rieser, Sabine

In Baden-Württemberg läuft seit einem Jahr ein Modellvertrag Pflegeheim. Hausärzte und Pflegende wollen in Zukunft weitere Konzepte entwickeln.

Der Deutsche Hausärzteverband (HÄV) und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) wollen in Zukunft gemeinsam berufsübergreifende Versorgungslösungen entwickeln, um Hausarztpraxen und Pflegeeinrichtungen einerseits sowie Hausarztpraxen und ambulante Pflegedienste andererseits besser zu vernetzen. Das kündigten Vertreter beider Organisationen Mitte Januar in Berlin an.

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„Eine gute medizinische und pflegerische Versorgung, besonders alter und kranker Menschen, werden wir künftig nur noch durch eine sehr enge Zusammenarbeit garantieren können“, sagte Ulrich Weigeldt, HÄV-Bundesvorsitzender. „Durch eine stärkere Verzahnung zwischen Hausärzten und den Pflegeeinrichtungen werden Krankenhausaufenthalte oftmals vermeidbar sein“, ergänzte Bernd Meurer, bpa-Präsident.

Krankentransporte und Kliniktage reduzieren

Konkret wollen die beiden neuen Partner HÄV und bpa an verschiedenen Vertragslösungen arbeiten. Dazu zählen spezielle gemeinsame Angebote für pflegende Angehörige oder zur koordinierten Überleitung von Patienten in ein und aus einem Krankenhaus heraus. Angedacht sind auch strukturierte Versorgungsansätze, innerhalb derer beispielsweise mehrere Hausärzte einer Region untereinander die Betreuung von Patienten in Pflegeheimen koordinieren und sichern.

Einen größeren Vertrag konnten HÄV und bpa noch nicht präsentieren. Weigeldt geht aber davon aus, dass dies noch im Lauf dieses Jahres der Fall sein wird. Dass die Versorgung für die jeweilige Krankenkasse dadurch teurer würde, glaubt er nicht: Nach Ansicht des HÄV-Bundesvorsitzenden sind die Reibungsverluste an den Schnittstellen der Versorgung heute so groß, dass sie sich ohne zusätzliche Kosten durch kooperative Lösungen verringern ließen.

Die AOK Baden-Württemberg, deren Hausarztvertrag der HÄV für vorbildlich hält, erklärte auf Anfrage: „Wenn die geplanten integrierten Versorgungsverträge von HÄV und bpa neue und sinnvolle Versorgungsfacetten aufweisen, wollen wir dies gern konstruktiv mit unseren Vertragspartnern diskutieren.“ Ergänzend zum Hausärztevertrag wurde in Baden-Württemberg im Januar 2011 ein „Integrierter Versorgungsvertrag Pflegeheim“ zwischen AOK, Medi und HÄV abgeschlossen. Er soll helfen, die ambulante Betreuung von Patienten in Pflegeheimen zu verbessern. Derzeit wird er modellhaft von drei Pflegeheimträgern in den Regionen Stuttgart und Esslingen umgesetzt.

Zu Beginn hatte der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, betont, man wolle vermeidbare Krankenfahrten und Klinikaufenthalte reduzieren. Allein in den ersten Monaten des Jahres 2010 hatte die AOK etwa 140 Millionen Euro für Krankenhausbehandlungen von Pflegeheimbewohnern ausgegeben.

Versicherte, die sich in den Zusatzvertrag Pflegeheim einschreiben, sollen mindestens alle 14 Tage Besuch von ihrem Hausarzt bekommen. Dann ist auch eine Pflegekraft anwesend, die den betreffenden Heimbewohner kennt. Die Heime organisieren regelmäßige Fallbesprechungen mit den Ärzten, die wiederum einen Vertretungs- und Bereitschaftsdienst untereinander organisieren. Pro Versichertem und Quartal erhalten Hausärzte laut AOK durchschnittlich 80 Euro.

Sabine Rieser

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