In der Leitlinie zum unkomplizierten Harnwegsinfekt wird Fosfomycin als Mittel der ersten Wahl empfohlen – ein Antibiotikum, das in den 1980er Jahren als Reserveantibiotikum für multiresistente Staphylokokken auf den Markt gebracht wurde und auch heute noch in dieser Funktion bei MRSA-Patienten eingesetzt werden kann. Bei E. coli weist es Resistenzraten von unter 10 % auf – also ein wichtiges, immer noch hochwirksames Antibiotikum.
Was wird nun mit dieser Substanz passieren, wenn sie – seit einigen Jahren als orale Gabe im Handel – jetzt bereits bei unkomplizierter Cystitis eingesetzt wird? Wahrscheinlich wird die Resistenzentwicklung einen ähnlichen Verlauf nehmen wie die der Chinolone, die in den 1980er Jahren das einzige orale Antibiotikum gegen Pseudomonas waren, dann sehr breit, vor allem im urologischen Bereich, eingesetzt wurden und heute eine Resistenzrate von 25–30 % aufweisen.
Gibt es einen zwingenden Grund, Fosfomycin jetzt bereits breit im Primärbereich einzusetzen und damit einer Resistenzentwicklung Tür und Tor zu öffnen?
Die Ärzte, die am häufigsten mit der unkomplizierten Cystitis konfrontiert werden (Hausärzte, Kinderärzte, Gynäkologen) haben über ihre Fachgesellschaften eine eher ablehnende Haltung bekundet (siehe auch „FRAUENARZT“ 2/11).
Trotzdem ist die Leitlinie so entstanden. Von den Verfassern haben drei Autoren Zuwendungen der Firma Pierre-Fabre, den Vertreibern von Monuril, dokumentiert. Professor Wagenlehner gibt Kontakte zu insgesamt 19 Pharmaherstellern, darunter auch der Firma Pierre-Fabre an.
Bei derartig engen Verbindungen zur Arzneimittelindustrie frage ich mich, ob die Empfehlungen zum Antibiotikaeinsatz wirklich aus objektiven und unabhängigen Beurteilungen hervorgegangen sind, wie Ärzteschaft und auch Patienten es von einer Leitlinie erwarten.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0080a
Dr. med. Swana Swalve-Bordeaux
Eckernförde
swalve-bordeaux@gmx.de
Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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