Was bedeutet unkompliziert wirklich und warum bedarf gerade eine solche Infektion der differenten Antibiotikatherapie? Erstaunt griff ich während der Lektüre der „Klinischen Leitlinie“ in das Bücherregal und nahm die „Antibiotika-Therapie“ von C. Simon und W. Stille aus dem Jahr 1989 (7. Auflage) zur Hand, um Einzelheiten über die neuerdings zur First-live-Therapie empfohlenen älteren Harnwegstherapeutika nachzulesen. Dort steht, dass Mecillinam (als Ester Pivmecillinam, S. 68) ein stark wirksames Breitspektrum-Penicillin ist, Fosfomycin (S. 205) in der Schwangerschaft früher kontraindiziert war und mit sekundärer Resistenzentwicklung in vitro und vivo behaftet ist. Was aber das Chemotherapeutikum Nitrofurantoin anbetrifft, so gebe ich einige Passagen im Wortlaut kurz wieder (S. 256): „ . . . Indikationen: Bei Berücksichtigung der Vor- und Nachteile von Nitrofurantoin erscheint es dringend notwendig, die Indikationen von Nitrofurantoin erheblich zu reduzieren und dieses Präparat nur noch als Reserve-Chemotherapeutikum für besondere Formen von Harnwegsinfektionen zu empfehlen. . . . Falsche Indikationen: Auch unkomplizierte Harnwegsinfektionen von Frauen sollten heute nicht mehr mit Nitrofurantoin behandelt werden . . . “. Die Gegenanzeigen umfassen auch hier wegen der mutagenen Effekte die Gravidität. Weiteres siehe 11. Auflage (2). Ändern sich so die Zeiten? Unbehaglich auch die vielfältigen Verbindungen fast aller Autoren zur Pharmaindustrie.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0081a
Dr. med. Ulrike Grundmann
Fachärztin für Innere Medizin
Naturheilverfahren
Marktplatz 32–34
56727 Mayen
Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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