Professor Runkel und Mitarbeiter geben eine anschauliche Darstellung der chirurgischen Therapieoptionen bei Adipositas (1). Die neuen interdisziplinären S3-Leitlinien zur Chirurgie der Adipositas werden von den Autoren verständlich zusammengefasst.
Wir möchten hier ausdrücklich die von den Autoren geforderte Notwendigkeit eines interdisziplinären Behandlungsplans unterstützen. Leider vermissen wir den Hinweis auf die Rolle der körperformenden chirurgischen Eingriffe, die nach massiven Gewichtsverlusten indiziert sind.
Diese in das Fachgebiet der Plastischen Chirurgie fallenden Eingriffe sind bei nahezu allen Patienten durch den in Folge der dargestellten Operationen auftretenden Gewichtsverlust notwendig, da die resultierenden Hautüberschüsse funktionell und seelisch belastend sind (2). Diese Eingriffe können nicht isoliert betrachtet werden und sind unmittelbarer Teil der Chirurgie der Adipositas, da unter anderem eventuelle Zweiteingriffe bereits vor dem initialen bariatrisch-chirurgischen Eingriff aufklärungsbedürftig sind. Dementsprechend ist die Behandlung von solchen Patienten in chirurgischen Zentren in Zusammenarbeit mit Plastischen Chirurgen wünschenswert. Diese Körperformung dient dabei nicht der Behandlung des Übergewichtes, sondern hat funktionelle Aspekte, wie zum Beispiel die Rekonstruktion der Bauchwand, falls eine Rektusplikatur zur Stabilisierung derselbigen erfolgt. Hinzu kommt, dass ausgeprägte Hautüberschüsse eine ausreichende Hygiene erschweren und es gehäuft zu Mazerationen und Pilzbesiedelungen in den Umschlagfalten kommt, die mit Straffungsoperationen adäquat therapiert werden können. Die körperformenden Eingriffe haben außerdem einen positiven Effekt auf die physische und psychosoziale Rehabilitation (3) und die Lebensqualität (4) der Patienten. Sie sind dementsprechend in den AWMF-S3-Leitlinien zur Chirurgie der Adipositas als wesentlicher Teil des interdisziplinären Behandlungsregimes zu finden und sollten in einer Darstellung dieses medizinischen Gebietes nicht fehlen.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0078a
Dr. med. Steffen U. Eisenhardt, PD Dr. med. Nestor Torio-Padron
Prof. Dr. med. G. Björn Stark
Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung für Plastische und Handchirurgie
steffen.eisenhardt@uniklinik-freiburg.de
Interessenkonflikt
Prof. Stark ist Gesellschafter der Erich-Lexer-Kliniken für Ästhetische Chirurgie in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Freiburg GmbH und erhielt Gelder von der Firma Baxter.
Dr. Torio-Padron und Dr. Eisenhardt erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
| Versenden | Teilen | Leserbrief |
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.