Mit Interesse habe ich den Artikel der Kollegen Mpotsaris et al. gelesen und wollte mich über die Effektivität der zunehmend verbreiteten perkutanen Vertebroplastie informieren (1). Tabelle 1 über den präinterventionellen Status der Patienten erschien zunächst einmal informativ und gut strukturiert. Was danach kam, war aber enttäuschend und aus klinischer und wissenschaftlicher Sicht leider ungenügend: In allen Ergebnistabellen werden lediglich die p-Werte angegeben. Kein einziges Symptom wurde entsprechend der Ausgangstabelle quantitativ oder qualitativ benannt. Da auch keine Kontrollgruppe mit konservativer Therapie in der Studie ausgewertet wurde, erfährt der Leser nicht, ob es überhaupt einen Vorteil für die Intervention gibt. Immerhin bessern sich auch unter konservativer Therapie der Osteoporose und der Sinterungsfraktur Schmerzen und Beweglichkeit vieler Patienten innerhalb von ein bis drei Monaten. Eine andere aktuelle Studie mit Vergleichsgruppe konnte immerhin genau dieselben p-Werte für Symptombesserung für beide Therapiearme nachweisen (2).
Dafür werden in der Diskussion mit fraglichen Argumenten die „negativen“ Ergebnisse von zwei hochrangig publizierten, prospektiven randomisierten Studien zerpflückt (3, 4), die immerhin mit einer aufwendigen Scheinprozedur versuchten, einen echten Vergleich anzustellen. Bei dem hohen Verbreitungs- und Wahrnehmungsgrad des Deutschen Ärzteblattes hätte ich mir eine objektivere und nachvollziehbarere Darstellung des Themas gewünscht. Vielleicht wäre auch ein kritisches Editorial hilfreich gewesen.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0076a
Prof. Dr. med. Thomas Rabenstein
Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer
thomas.rabenstein@diakonissen.de
Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.
| Versenden | Teilen | Leserbrief |
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.