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MEDIZIN: Diskussion

S3-Leitlinie unerwähnt

S3 Guideline Was Not Mentioned

Dtsch Arztebl Int 2012; 109(5): 76-7; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0076b

Thomasius, Friederike

In der Studie von Mpotsaris war Osteoporose in drei von vier Fällen Ursache der mit Vertebroplastie behandelten Frakturpopulation. Die Autoren schlussfolgern sogar, dass insbesondere die „gesundheitsökonomisch bedeutsame Gruppe der Osteoporosepatienten” durch die Intervention der Vertebroplastie ein bis zum sechsten Monat hinausgehendes klinisches Verbesserungspotenzial erfahre.

Mit keinem Wort gehen die Autoren der Arbeit auf den schriftlich niedergelegten Konsens des Dachverbandes Osteologie zur „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen” in Form der in 2006 erstmalig und 2009 in aktualisierter Version veröffentlichten S3 Leitlinie ein (www.dv-osteologie.org/dvoleitlinien/dvo-leitlinie-2009). Hierin wird auch Stellung zum Verfahren der Vertebro- und Kyphoplastie genommen, wobei eine interdisziplinäre Einzelfalldiskussion und ein dokumentierter, konservativer Therapieversuch sowie Ausschluss degenerativer Veränderungen als Ursache der bestehenden Schmerzen der Intervention vorangestellt werden sollen.

In der vorliegenden Arbeit wird in der Diskussion „rückblickend” erkannt, dass die Selektion der geeigneten Patienten ein wichtiges Kriterium darstellt, um gute Ergebnisse im Follow-Up zu erzielen. Die zitierte S3- Leitlinie muss den Autoren unbekannt gewesen sein, diese Selektion sollte bereits Standard sein. Möglicherweise erfährt der Leser auch deswegen nicht, womit die Osteoporosepatienten osteoprotektiv behandelt werden, obwohl dies zum einen Einfluss auf den Schmerzgrad nehmen kann und zum anderen die eigentliche Therapie bei Osteoporose darstellt, auf die gerade in dieser Population Bezug genommen werden muss. Neben diesen Punkten bleibt zu erwähnen, dass die Autoren in ihrer Arbeit die Limitation der fehlenden Kontrollgruppe erkennen, in ihrer Diskussion aber nicht auf die mögliche Verzerrung der Ergebnisse aufgrund des „Placeboeffektes” der Intervention eingehen. Publikationen zu diesem Thema sind ebenfalls unter www.dvosteologie.de nachzulesen.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0076b

Dr. med. Friederike Thomasius

Osteoporose-Studiengesellschaft bR, Frankfurt

info@osteoporosezentrum.com

Interessenkonflikt
Dr. Thomasius erhielt Honorare für die Vorbereitung wissenschaftlicher Fortbildungsveranstaltungen von der Firma MSD. Des Weiteren erhielt sie Honorare für die Durchführung von klinischen Auftragsstudien der Firma Amgen.

1.
Mpotsaris A, Abdolvahabi R, Hoffleith B, et al.: Percutaneous vertebroplasty in vertebral compression fractures of benign or malignant origin: a prospective study of 1188 patients with follow-up of 12 months. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 331–8. VOLLTEXT

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