Der Nachweis eines Barrett-Ösophagus gilt als Risikofaktor für die Entwicklung eines Adenokarzinoms der Speiseröhre. Mittels einer Kohortenstudie basierend auf dem dänischen bevölkerungsweiten Krankheitsregister sowie dem dortigen Krebsregister hat die Arbeitsgruppe um Frederik Hvid-Jensen, Aarhus, Dänemark, das Risiko konkret untersucht.
In den Jahren von 1992 bis 2009 wurden 11 028 Personen mit Barrett-Ösophagus identifiziert und im Mittel 5,2 Jahre nachverfolgt. Im ersten Jahr nach der Index-Endoskopie wurden 131 Adenokarzinome entdeckt, in den Folgejahren waren es 66 Fälle. Das entspricht einer Inzidenz von 1,2/1 000 Patientenjahre (95-%- KI 0,9–1,5) und einem relativen Risiko von 11,3 im Vergleich zur Normalbevölkerung (95-%-KI 8,8–14,4). Das Risiko pro Jahr betrug 0,12 % (95-%-KI 0,09–0,15). Die Gefahr, bei Vorliegen eines Barrett-Ösophagus ein Adenokarzinom der Speiseröhre zu entwickeln, ist damit deutlich niedriger als das bisher angenommene Risiko.
Fazit: Die Bedeutung eines Barrett-Ösophagus wurde lange überschätzt. Nach Erhebungen in den 1970iger Jahren ging man zunächst von einer Erkrankungsrate von 0,8 % pro Jahr aus und damit von einem relativen Risiko von 30 bis 40, entsprechend einem Fall auf 125 Patientenjahre. Seitdem wurden die Zahlen mehrfach nach unten korrigiert, zuletzt durch eine Untersuchung irischer Wissenschaftler, die eine Krankheitshäufigkeit von 0,13 % ermittelten, entsprechend einem Fall auf 769 Patientenjahre, wie Prof. Dr. Peter J. Kahrilas, Chicago, im Editorial zur dänischen Studie schreibt. Die jüngste Untersuchung belegt nach seinen Angaben, dass auch dieser Wert ebenfalls noch zu hoch ist und die Erkrankungshäufigkeit bei nur einem Fall auf 860 Patientenjahre liegt. Die Überschätzung der Gefährdung von Menschen mit Barrett-Ösophagus steht nach Meinung von Kahrilas im Einklang mit Beobachtungen, dass sie keine verminderte Lebenserwartung haben. Außerdem habe sich bislang nicht nachweisen lassen, dass die üblichen Screening- und Überwachungsstrategien kosteneffektiv seien und die Sterblichkeit des Ösophaguskarzinoms reduzierten.
Christine Vetter
Hvid-Jensen F et al.: Incidence of Adenocarcinoma among Patients with Barrett’s Esophagus. NEJM 2011; 365: 1375–83. MEDLINE
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