Die causa Wulff mit dem Verschreibungsverhalten von 300 000 Ärzten zu verquicken, hieße, sich auf das Niveau der Zeitung mit vier Buchstaben zu begeben, welche jetzt durch die Weitergabe eines vertraulichen Handygespräches beweisen will, dass journalistische Freiheit im Staate bedroht sein soll.
Der Bundespräsident ist der höchste Diener des Staates, Ärzte haben keinen Fahneneid auf die AOK geschworen. Als Selbstständige dürfen wir uns an Notizblöcken oder Kulis im Werte von maximal fünf Euro erfreuen, ebenso an Fortbildungsveranstaltungen in Gievenbeck oder Püsselbüren. Vor jeder Beitragserhöhung jedoch bemühen Politik, „investigative“ Journalisten und Krankenkassen regelmäßig das Bild vom korrumpierbaren Arzt, wohl wissend, dass wir im Verschreibungsverhalten budgetiert sind. Wir können also keinen hochpreisigen Pharmafirmen den Vorzug geben, zumal Rabattverträge und Apotheken bereits billigste Firmen aus dem Nahen Osten bevorzugen, über deren galenische Unwägbarkeiten wir unseren Patienten immer häufiger Auskunft geben müssen. Natürlich gibt es Journalisten, welche „glaubhaft“ ihre Ferienunterkunft bei Freunden mit pauschal 150 Euro pro Tag bezahlen, beim Autokauf nicht auf den Journalistenrabatt bestehen und das Bobbycar für Wulff junior als Dienstwagenaffäre handeln – es gibt ebenso aufgeregte Gutmenschen, welche das Vermögen, ihr Essen selbst zahlen zu können, wie eine Monstranz vor sich hertragen, um sich vor den anderen 299 700 ärztlichen Kolleginnen und Kollegen zu erhöhen . . .
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