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MEDIEN

Arzt-Patient-Beziehung: Für den Alltag zu wenig Hilfen

Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-213 / B-188 / C-188

Joosten, Hermann J.

Das Buch handelt von einem tatsächlich wichtigen Thema der modernen Medizin. Allerdings ist dieses Werk keine systematische Bearbeitung des Themas, sondern es werden die Beiträge zu einer Fachtagung veröffentlicht. Der Verlag hat versäumt, dies auf dem Titel zu kennzeichnen. Daher sind die Beiträge sehr heterogen, gehören aber im weiteren Sinne noch zum Thema. Sie sind in Kapiteln geordnet. Diese handeln von der grundlegenden Bedeutung, der Historie, der Frage der Erlernbarkeit, einigen Patientengruppen, soziokulturellen Aspekten, Psychotherapie, speziellen medizinischen Professionen und der Patientenperspektive.

Inhaltlich sind es zum Teil grundlegende Ausführungen zu speziellen Themen, aber es werden auch viele Studienergebnisse zu eng gefassten Bereichen vorgestellt. So handelt ein Kapitel vom Einfluss der Familie auf die Arzt-Patient-Beziehung. Im Untertitel erfährt man, dass es um transkulturelle Aspekte eines Gesprächstrainings für onkologisch tätige Ärzte in China geht. Die Auswahl der Beiträge mag für eine Expertentagung angemessen sein. Aber eine größere Leserschaft möchte doch eher wissen, wie familiäre Strukturen und Systeme und deren kommunikative Muster hierzulande in die Arzt-Patienten-Beziehung hineinwirken. Dies ist nicht nur für Migrantenfamilien bedeutsam. Das Titelversprechen des Werkes wird jedenfalls nicht eingelöst.

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Es macht hier wenig Sinn, einzelne Beiträge als Pars pro Toto zu diskutieren. Vielmehr soll das Fehlen wichtiger Beiträge erwähnt werden. So erfährt der Leser zu wenig über die „Kunst der Beziehungsgestaltung“ und auch nicht über deren Reflexion: Es fehlt zum Beispiel ein großer eigenständiger Beitrag zur Konzeption von Balint und der Balintgruppenarbeit. Sehr wünschenswert wäre auch ein Beitrag, wie denn nun die Beziehung zu „schwierigen“ Patienten gelingen soll. Ebenso wäre ein Beitrag zur Bedeutung der Persönlichkeit von Patient und Arzt sehr interessant, welcher auch auf die kaum geäußerten, sehr wirksamen Fantasien eingeht: zum Beispiel der Polarität von magischen Heilserwartungen zu technokratischen Maschinenfantasien. Daher ist das Buch für Experten interessant, bietet aber für den ärztlichen Alltag zu wenig Einsichten und Hilfen. Hermann J. Joosten

Hans-Christian Deter (Hg.): Die Arzt-Patient-Beziehung in der modernen Medizin. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, 344 Seiten, kartoniert, 19,95 Euro


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