POLITIK
Sanitätsdienst der Bundeswehr: Ärztemangel bleibt ein Problem
Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-188 / B-169 / C-169

Personalengpässe erschweren die medizinische Versorgung der Soldatinnen und Soldaten. Gleichzeitig steigt der Behandlungsbedarf – besonders bei den psychischen Erkrankungen.

Der Sanitätsdienst hat zu wenig Personal. Es fehlen zum Beispiel Notfallmediziner für Auslandseinsätze. Foto: dpa
Vielleicht hätte Hellmut Königshaus (FDP) gerne etwas Neues erzählt. Doch der Wehrbeauftragte des Bundestages kommt auch diesmal in seinem Bericht zu dem Schluss: Die Personallage beim Sanitätsdienst ist „nach wie vor unbefriedigend“. Ohne Rückgriff auf das zivile Gesundheitswesen könne man die Soldaten nicht versorgen. Die Bundeswehr müsse für Ärzte attraktiver werden.
Musterungsärzte sollen die Lücken schließen
Der Ärztemangel ist für die Bundeswehr ein Dauerthema. Etwa 340 Humanmediziner fehlen. Allerdings hat sich dem Wehrbeauftragten zufolge die Lage etwas entspannt. Die Zahl der Kündigungen ist offenbar rückläufig. Außerdem konnte der Sanitätsdienst Quereinsteiger gewinnen: 32 Ärzte 2011, 73 im Jahr 2010. Hinzu kommen die ehemaligen Musterungsärzte. Derzeit sind 70 von ihnen bis auf Weiteres abgeordnet, ein weiterer Teil tage- oder wochenweise. Dies geschieht in der Regel mit Zustimmung der Betroffenen. „Die Erfahrungen der Truppe mit den abgeordneten Musterungsärzten sind bislang positiv“, schreibt Königshaus.
Mit dem Wegfall der Wehrpflicht haben die 250 Musterungsärzte in den Kreiswehrersatzämtern und Musterungszentren eine zentrale Aufgabe verloren. Langfristig soll es keine Kreiswehrersatzämter mehr geben, sondern eine weitaus geringere Anzahl von sogenannten Karrierecentern. Medizinische Untersuchungen werden voraussichtlich nur noch an neun Standorten stattfinden.
Aus den Musterungsärzten werden aber nicht über Nacht die Ärzte mit genau der Qualifikation, die der Sanitätsdienst braucht. Daher müssten Schulungen erfolgen, wenn die Betroffenen zuvor nicht kurativ tätig waren, fordert der Wehrbeauftragte. Dann könnten sie vor allem Lücken in der truppenärztlichen Versorgung im Inland schließen.
Unterdessen fehlen auch Ärzte, die man im Ausland einsetzen kann. Benötigt werden vor allem Notfallmediziner. Wie die Bundeswehr dieses Problem lösen will, ist offen. Die Neustrukturierung sieht einen Ausbau der Weiterbildungskapazitäten vor (siehe DÄ, Heft 45/2011). Doch bis junge Ärzte qualifiziert sind, vergehen Jahre.
Die medizinische Betreuung der Soldaten im Auslandseinsatz ist dem Wehrbericht zufolge verbesserungsbedürftig. Schwierigkeiten habe es bei der Versorgung mit Blutpräparaten gegeben. Bislang ist die Bundeswehr hier auf die Hilfe von Sanitätsdiensten anderer Nationen angewiesen. Auch beim Rücktransport von Schwerverletzten gibt es Defizite. Sie müssen mehrfach umgelagert werden, weil die Liegen in den jeweiligen Transportmitteln verbleiben.
Viele traumatisierte Soldaten, zu wenige Psychiater
Ein weiteres Dauerthema bei der Bundeswehr sind posttraumatische Belastungsstörungen. 2011 wurde bei 194 Soldaten diese Diagnose neu gestellt, 2010 bei 223. Mittlerweile gibt es bei der Bundeswehr fast 1 000 Betroffene. Der Wehrbeauftragte bemängelt vor allem, dass die Behandlungskapazitäten nicht ausreichen. Bei den Fachärzten für Psychiatrie sei nur die Hälfte der Dienstposten besetzt. Auf Therapieangebote im zivilen Gesundheitswesen zurückzugreifen, sei schwierig. Auch hier gebe es Engpässe mit langen Wartezeiten.
Dr. med. Birgit Hibbeler
@Der Bericht des Wehrbeauftragten: www.aerzteblatt.de/12192
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