Bislang war die Thrombolyse mit dem gewebespezifischen Plasminogenaktivator (t-PA) auf arterielle Thrombosen wie Herzinfarkt und Schlaganfall beschränkt. Ob auch tiefe venöse Thrombosen erfolgreich lysiert werden können, war Fragestellung einer randomisierten klinischen Studie. Der potenzielle Nutzen ist die Vermeidung eines postthrombotischen Syndroms, denn trotz einer Antikoagulation mit Heparin entwickelt fast die Hälfte aller Patienten im Anschluss an eine tiefe Venenthrombose (TVT) ein postthrombotisches Syndrom, für das es bisher keine Heilung gibt. In den letzten Jahren wurden katheterbasierte Therapien (CDT, catheter-directed thrombolysis) entwickelt, die eine gezielte Applikation von t-PA ermöglichen. Bei iliofemoralen TVT wird das Fibrinolytikum über einen Katheter in der poplitealen Vene instilliert.
Dieses Prinzip wurde auch in der norwegischen CaVenT-Studie (Catheter-Directed Venous Thrombolysis in Acute Iliofemoral Vein Thrombosis) angewendet. Alle 209 Patienten hatten erstmals eine iliofemorale TVT. Diese durfte nicht älter als 21 Tage sein. Anfangs wurde subkutan mit niedermolekularen Heparinen behandelt. Nach dem Ende dieser von den Leitlinien empfohlenen Antikoagulation wurde bei der Hälfte eine CDT mit einer Behandlungsdauer von maximal 96 Stunden durchgeführt.
Primärer Endpunkt der Studie war die Inzidenz eines postthrombotischen Syndroms in den ersten 24 Monaten nach TVT. Diese Komplikation wurde in der Kontrollgruppe bei 55,6 % der Patienten, nach der CDT jedoch nur bei 41,1 % der Patienten diagnostiziert.
Das absolute Risiko wurde um 14,5 Prozent vermindert: Die number needed to treat ist sieben. Bei 20 Patienten kam es zu Blutungen, drei wurden als schwerwiegend eingestuft. Es gab keine Todesfälle, keine Lungenembolien und keine Hirnblutungen, so dass die Therapie trotz der Blutungen als sicher eingestuft werden kann.
Fazit: Bei Patienten mit iliofemoraler tiefer Venenthrombose und niedrigem Blutungsrisiko sollte zusätzlich zur Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten eine katheterbasierte Thrombolyse erfolgen, lautet das Resümee der norwegischen CaVenT-Studie.
Forscher von der Stanford University bezeichnen die Studie in einem Editorial als „Meilenstein“, obwohl sie mit den Ergebnissen nicht ganz zufrieden sind. Sie schlagen vor, die Therapie auf ein bis eineinhalb Tage, maximal aber zwei Tage zu begrenzen. Danach sei eine Auflösung des Thrombus nicht mehr zu erwarten, und andere Lösungen wie ein Stent sollten erwogen werden. In der norwegischen Studie erhielten 15 Patienten einen Stent. Rüdiger Meyer
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