TECHNIK
Studie zur Gesundheits-IT: Ärzte sehen großen Nutzen
Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-223 / B-196 / C-196


Ärzte unter 50 Jahren sind von den positiven Effekten der Gesundheits-IT stärker überzeugt als ihre älteren Kollegen. Foto: iStockphoto
Vom IT-Einsatz erhoffen sich Ärzte weltweit Vorteile bei der Behandlung und Versorgung ihrer Patienten. Unter deutschen Medizinern steht Gesundheits-IT im internationalen Vergleich hoch im Kurs. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die das Beratungsunternehmen Accenture Ende 2011 mehr als 3 700 Ärzte in acht Ländern befragt hat, davon 500 in Deutschland. Untersucht wurde die Einstellung von Ärzten gegenüber intelligent vernetzten Technologien im Gesundheitswesen, wie beispielsweise der elektronischen Patientenakte (www.accenture.de).
Als nützlich bewerteten die befragten Ärzte vor allem die leichtere Verfügbarkeit von hochwertigen Daten für die klinische Forschung (70,9 Prozent), eine verbesserte Koordination von Therapien (69,1 Prozent) und die Verringerung von Behandlungsfehlern (66 Prozent).
Dennoch gibt es auch Vorbehalte im Hinblick auf den Mehrwert von Gesundheitstelematik: So äußerten 43,6 Prozent der Befragten, dass IT möglicherweise keinen oder sogar einen negativen Einfluss auf die Verringerung unnötiger Untersuchungen hat. 43 Prozent sind abwartend bis skeptisch, ob der Zugang zu Therapien durch IT besser wird, und 39,2 Prozent, ob mit ihr mehr Behandlungserfolge erzielt werden. Ärzte, die regelmäßig Gesundheits-IT einsetzen, schätzen deren Nutzen höher ein als diejenigen, die eher selten damit arbeiten.
Ärzte in Deutschland sind mit 62,2 Prozent insgesamt mehr vom Nutzen überzeugt als die meisten ihrer internationalen Kollegen. Damit liegen sie hinter Spanien (71 Prozent) und knapp hinter Singapur (64 Prozent). Mehr als drei Viertel aller befragten deutschen Ärzte meinen, dass Gesundheits-IT organisationsübergreifende Arbeitsprozesse verbessert. Weiteren Mehrwert versprechen sich die Mediziner von einer verbesserten Koordination der Patientenversorgung über verschiedene Einrichtungen und Angebote hinweg (72,6 Prozent). Außerdem nehmen 68,7 Prozent der Ärzte an, dass der Zugang zu hochwertigen Daten für die klinische Forschung einfacher wird. Mehr als zwei Drittel der Befragten glauben, dass die elektronische Patientenakte oder der elektronische Austausch von Gesundheitsinformationen die Genauigkeit von Diagnosen verbessert (67,1 Prozent) und den Zugang zu medizinischen Leistungen beschleunigt (66,7 Prozent).
Dabei sind jüngere Ärzte von den positiven Effekten der Gesundheits-IT generell stärker überzeugt als ihre älteren Kollegen. Mehr als 72 Prozent der Ärzte unter 50 Jahren denken, dass die elektronische Patientenakte oder der elektronische Austausch von Gesundheitsinformationen das Gesundheitswesen systemübergreifend verbessern. Dieser Auffassung sind lediglich 65 Prozent der über 50-Jährigen.
Die Ergebnisse der Befragung zeigen länderübergreifend, dass die Akzeptanz neuer Technologien im Gesundheitswesen auch von der Erfahrung abhängt: Routinierte Nutzer mehrerer Anwendungen stehen dem Thema positiver gegenüber. Je mehr IT-Funktionen die Ärzte einsetzen, desto positiver beurteilen sie zudem ihren Nutzen. KBr
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