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Coaching für Ärztinnen: Strategien für den Klinikalltag

Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-229 / B-201 / C-201

Hibbeler, Birgit

Foto: iStockphoto

Das Freiburger Universitätsklinikum bietet eine Coaching-Gruppe für junge Ärztinnen an. Das Interesse an dem Angebot ist groß.

Als Katja S.* die E-Mail öffnete, ahnte sie noch nicht, dass sich damit vieles für sie ändern würde. Eine Vorstellung davon, was eine „Coaching-Gruppe“ ist, hatte die Assistenzärztin nicht. Aber die Themen in der Einladung sprachen sie sofort an: Erlebnisse mit Patienten, Kollegen und Vorgesetzten, Durchsetzungsstrategien, Angst vor Fehlern, die Belastungsgrenze und Work-Life Balance. Sie meldete sich an.

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Katja S. hatte Probleme damit, die vertraglich zugesicherte Zeit für Forschung auch wirklich einzufordern. Schließlich gab es immer einen Grund, dies nicht zu tun: viel Arbeit auf der Station und Patienten, denen es schlecht geht. Sie hätte ein schlechtes Gewissen gehabt, wäre sie einfach gegangen. Darüber konnte Katja S. in der Coaching-Gruppe reden. Dabei hat sie festgestellt: Die anderen Ärztinnen hatten ähnliche Probleme. Aber was hat sich nun tatsächlich geändert? „Ich bin viel selbstbewusster geworden“, sagt Katja S. Gut gefallen hat ihr, dass das Coaching-Seminar sehr konkret und praktisch war. „Es ging immer um die Frage: Wie gehe ich morgen vor?“, erläutert sie.

Berufseinsteiger im Krankenhaus stoßen manchmal an ihre Grenzen. Sie haben fachlich noch wenig Erfahrung, aber auch im Umgang mit Kollegen und Chefs fehlt ihnen die Routine. Wer überfordert ist, wird unsicher und fordert wenig ein. „Liegt es vielleicht an mir, dass ich nicht zurechtkomme?“, fragen sich viele, wenn bei anderen offenbar alles problemlos klappt. Solche Zweifel können sich noch verstärken, wenn die Kommunikation am Arbeitsplatz unzureichend ist, weiß Dr. phil. Andrea Wittich, Psychologin und Supervisorin am Universitätsklinikum Freiburg.

Wittich will diesem „Gefühl der Vereinzelung“ entgegenwirken. Seit 2010 bietet sie deshalb gemeinsam mit einer Kollegin aus der psychosomatischen Abteilung ein kostenloses Coaching für Ärztinnen in der Facharztweiterbildung an. Alle Assistenzärztinnen erhalten eine Einladung per Rundmail über den Verteiler der Gleichstellungsbeauftragten des Freiburger Uniklinikums. Das Interesse ist enorm. „Mittlerweile haben wir eine Warteliste“, sagt Wittich.

Die Coaching-Gruppe trifft sich einmal im Monat abends. Vorgesehen sind fünf Termine von 90 Minuten. Maximal 14 Ärztinnen können teilnehmen. Für viele sei allein der Austausch mit den anderen wichtig. Es sei häufig entscheidend zu sehen, dass es nicht unbedingt persönliches Versagen ist, wenn Schwierigkeiten auftreten. Diese hätten meist auch etwas mit den Strukturen zu tun.

Das Coaching-Angebot richtet sich nur an Ärztinnen. „Das liegt daran, dass es immer wieder Frauen waren, die sich nach einem entsprechenden Angebot erkundigten“, betont Wittich. Denkbar sei auch ein Coaching für Ärzte. Das solle dann aber eher von einem Mann geleitet werden. Mit gemischten Gruppen hat Wittich noch keine Erfahrungen gesammelt – auch weil es bisher keine männlichen Interessenten gab. Für Katja S. wäre ein gemeinsames Coaching für Frauen und Männer allerdings keine Option. Es gebe doch Unterschiede. „Das war mir vorher auch nicht so bewusst“, berichtet sie.

Ein Beispiel für Unterschiede zwischen Ärztinnen und Ärzten: In einem Zeugnis sind einige Angaben falsch oder Tätigkeiten fehlen ganz. Frauen interpretieren so etwas häufig auf einer Beziehungsebene. Das heißt, sie fühlen sich von ihrem Chef in ihrer Leistung nicht wertgeschätzt. Männern fällt häufig eine sachliche Interpretation leichter. Sie halten den Chef dann vielleicht einfach für überarbeitet. Sie haben kaum Probleme, entsprechende Änderungen einzufordern.

Geschlechtsspezifische Themen spielen eine Rolle im Coaching-Seminar. Katja S. sagt, sie lasse sich im Klinikalltag nicht mehr so leicht verunsichern. „Mehr als früher bin ich mir dessen bewusst, wenn mich jemand absichtlich verunsichern will, wenn das also eine Strategie ist“, sagt sie. Für sie war es positiv, dass in der Coaching-Gruppe keine weitere Teilnehmerin aus ihrer Abteilung war. „Sonst hätte man nicht so offen sprechen können“, meint Katja S. Assistenzärztinnen aus anderen Fachbereichen könnten aber die Probleme besser nachvollziehen als Außenstehende.

Die Themen in der Coaching-Gruppe sind ganz unterschiedlich und richten sich nach den Wünschen der Teilnehmerinnen. Häufig sind: Umgang mit Hierarchien und Klinikstrukturen, Zeit für Forschung, Karriere trotz Teilzeit und respektloser Umgang im Kollegenkreis. Außerdem die Fragen „Wie verkaufe ich mich gut?“ und „Anforderungen an Berufsanfänger – wie geht es den anderen?“.

Katja S. kann die Coaching-Gruppe jeder Ärztin nur uneingeschränkt empfehlen. Zu einigen Teilnehmerinnen hat sie weiterhin Kontakt, zum Teil sogar freundschaftlichen. In jedem Fall sei es gut, Kolleginnen aus anderen Abteilungen kennenzulernen. Und das Angebot hat sie persönlich weitergebracht. „Für mich war die Coaching-Gruppe ein Geschenk“, sagt Katja S.

Dr. med. Birgit Hibbeler

* Name geändert


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