An einem Plattenepithelkarzinom der Bindehaut erkranken besonders häufig immunsupprimierte Patienten: Die Ränder des Tumors und damit die Ausdehnung seines invasiven Wachstums sind oft makroskopisch nicht eindeutig zu beurteilen, so dass die chirurgische Forderung, mit einer 2 Millimeter breiten Sicherheitszone zu exzidieren, nicht immer problemlos erfüllt werden kann. Neben dieser Therapie der Wahl (Exzision mit freien Resektionsrändern) werden Kryo-, Strahlen- und adjuvante Chemotherapie, auch in Kombination eingesetzt. Die Angaben über die Rezidivhäufigkeit schwanken in der Literatur meist zwischen 5 % und mehr als 50 %.
Eine US-amerikanische Studie an 101 Augen mit konjunktivalem Plattenepithelkarzinom hat die höchsten Rezidivraten (bei 6 bis 12 Monaten Nachbeobachtungszeit) mit 60 % bei Sklerainfiltration (zu der es indes nur in 5 Fällen gekommen war) und mit 38,7 % bei jenen Tumoren festgestellt, die mehr als 2 mm auf die Hornhaut eingewachsen waren.
Dem histopathologischen Befund entsprechend kam es nach Entfernung von Dysplasien zu keinen Rezidiven, bei Carcinoma in situ in 12,8 % und bei manifestem Plattenepithelkarzinom in 22,2 % der Fälle. Bei keinem der Patienten metastasierte das Plattenepithelkarzinom. Tumoren in fortgeschrittenem Stadium (T3 = Invasion von der Bindehaut benachbarten Strukturen ausschließlich der Orbita) rezidivierten oft trotz maximaler Therapie: 38,4 % einer mit Exzision, Kryotherapie sowie der Gabe von Interferon und Mitomycin C behandelten Subgruppe zeigten nach mindestens einem halben Jahr Tumorfreiheit doch wieder ein Karzinomwachstum.
Fazit: Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Bindehaut haben ein hohes Rezidivrisiko bei einer inadäquaten Primärtherapie, also einer nicht ausreichend großräumigen Exzision. Mit dem Übergreifen des Plattenepithelkarzinoms der Bindehaut auf die beiden Nachbarstrukturen, die Sklera und die Cornea, kommt es zu einem erheblichen Anstieg des Rezidivrisikos. Lymphknotenbefall und Metastasierungen sind allerdings selten: Nur bei einem Patienten waren die regionalen Lymphknoten befallen.
Dr. med. Ronald D. Gerste
Yousef YA , Finger PT : Squamous Carcinoma and Dysplasia of the Conjunctiva and Cornea. Ophthalmology 2011, epub before print (December 19, 2011). doi: 10.1016/j.ophta.2011. 08.005
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