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81 Artikel im Heft, Seite 26 von 81

BRIEFE

Ein guter Arzt: Gut – wirklich gut – sehr gut

Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-209 / B-184 / C-184

Bayer, Karlheinz

Das ist schon so eine Art Weihnachtsgeschichte, die Frau Hibbeler da geschrieben hat:

„Es begab sich aber zu der Zeit, als alle Welt nur noch von Gesundheitsreform sprach und keiner wusste, wie man das machen soll, dass wir uns als Samariter fühlen sollten. Und jeder machte sich auf in das Land seiner Väter, dass er sich schätzen ließe am Eid des Hippokrates und der hohen Ethik der Medizin.“

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Wenn ein Arzt aber sagt, er habe auch vor der jetzigen Fassung des § 218 Frauen bei der Abtreibung geholfen, wenn er bekennt, einem Todkranken Morphium gegeben zu haben in der Absicht, ihm beim Sterben zu helfen, wenn er einen Drogenabhängigen auch mit illegalen Drogen substituiert, ist er dann ein schlechter oder ein guter Arzt? Was ist mit den Ärzten, die Unterschiede machen, die Privatpatienten bevorzugt behandeln, weil die AOK-Honorare hinten und vorne nicht ausreichen, die Praxis am Laufen zu halten? Was ist mit den Landärzten, die versuchen, nur noch über die Runden zu kommen, weit weg davon, ein „Ideal“ zu verwirklichen? Sind das eher schlechte Ärzte?

In meinen Augen ist der Eid des Hippokrates eher ein Beleg dafür, was zu Hippokrates Zeit für Missstände geherrscht haben müssen, ihn zu veranlassen, endlich mal Ordnung zu schaffen. Und es hat sich bis heute wenig geändert. Wir geben immer noch Gift, wir treiben immer noch ab, wir haben immer noch keine Achtung vor denen, die wir Kolleginnen und Kollegen nennen (. . . und „immer noch“ heißt nicht, dass ich das abgeschafft haben möchte!). Natürlich machen wir Unterschiede! Natürlich gibt es Patienten, die wir am liebsten nicht in der Praxis sehen und andere, die uns ans Herz gewachsen sind. Natürlich sind wir Menschen, wie alle anderen auch.

Die These, es sei einfach, Arzt zu werden, stimmt nicht. Numerus clausus, Studiengebühren und Hierarchien in den Krankenhäusern machen das Arztwerden schwer, die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie insbesondere den Ärztinnen oft unmöglich. Die Schwere, dann, wenn man endlich Arzt geworden ist, auch ein guter Arzt zu sein, drückt sich aus in starrer Leitlinienmedizin, in Budgets und Regressen. Unsere KV-Vertreter vertreten eher die Politik und die Kassen als uns. Und unsere Kammern (ich bin selbst ein Delegierter) verhalten sich allzu oft wie Innungsmeister und mittelalterliche Gilden.

Ein guter Arzt? Ein guter Arzt!

Gut ist, wer Durchhaltevermögen besitzt. Wirklich gut ist, wer keine Depressionen bekommt, wenn eine Wirtschaftlichkeitsprüfung auf dem Schreibtisch liegt und der noch genügend Reserven hat, wenn Honorare gekürzt werden. Gut ist der, der nicht dem Tag entgegenfiebert, wenn er in Ruhestand geht.

Ein sehr guter Arzt ist, wer darüber hinaus noch Erinnerungen hat an die Ideale nach dem Abitur. Oder der noch genügend Ärztinnen und Ärzte kennt, die er nicht als Konkurrenten, sondern als Freunde sieht . . .

Gut, Frau Hibbeler hat eine Weihnachtsgeschichte geschrieben, aber wenigstens eine, zu der man sich Gedanken machen kann und Briefe schreibt. Ein lesenswerter Artikel.

Dr. med. Karlheinz Bayer, 77740 Bad Peterstal


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